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Schüler Kaduk „schwätzt jedoch häufig“

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Vom Sextaner bis zum Schulleiter: Einen großen Teil seines Lebens hat Rainer Kaduk am Städtischen Gymnasium in Schleiden - kurz SGS - verbracht. Am Mittwoch wird „der Chef“ in feierlichem Rahmen verabschiedet.

1951 sah Rainer Kaduk das Städtische Gymnasium in Schleiden zum ersten Mal von innen. In diesem Jahr wurde er als Sextaner dort eingeschult. Vorher hatte er die Volksschulen in Olef und Schleiden besucht - nachdem der am 17. September 1940 Geborene mit seinen Eltern aus Breslau über Dresden nach Schleiden geflohen war.

Am „Städtischen“ fühlte er sich als Schüler schnell wohl. Etwas zu „knabbern“ hatte er allerdings an der Tatsache, dass sein eigener Vater, von Beruf Gymnasiallehrer, ihm im ersten Jahr seines „Pennälerdaseins“ Latein- und Deutschunterricht erteilte. „Das war gelegentlich hart“, erinnert sich Rainer Kaduk. Denn durch diesen Umstand hatte er eher Nachteile. Bei ihm setzte der Vater, wenn der Schüler Kaduk etwas nicht wusste, gleich auf Strenge - während bei anderen Schülern mehr Milde zu walten schien.

Nach einem Jahr saß Rainer Kaduk seinem Vater nicht mehr als Schüler gegenüber. Die weiteren Jahre verliefen „ganz normal“. Zu seinen Lieblingsfächern zählte alles, was mit Sprache zu tun hat. Mathe begeisterte den Jungen weniger. Kaduk:„Ich ging gerne zur Schule, doch ich war nicht der Bravste.“ Unter der Rubrik „Führungsnote“ war gelegentlich die Bemerkung „schwätzt jedoch häufig“ notiert. Was ihm nicht jeder übel nahm: Rainer Kaduk galt zu Schulzeiten und darüber hinaus als ein begnadeter Imitator von Lehrern und Politikern, Spezialgebiet: Adenauers Konrad. „Mit dieser Imitation habe ich mir bei Werner Rosen so manches Glas Wein verdient.“

Sein Einsatz in diversen Fächern war lobenswert, doch stand auf manchen Zeugnis auch geschrieben: „Kaduk gibt sich betont gleichgültig, wahrscheinlich, um nicht als Streber darzustehen.“ Als Nachhilfelehrer und kritischer Geist machte er sich bis zu seinem Abitur 1960 einen Namen.

An der Uni in Köln studierte er Französisch und Latein und entdeckte während vieler Frankreichaufenthalte seine Liebe zu sämtlichen Küstenstreifen dieses Landes. Und dann „diente“ er sich als Lehrer hoch, absolvierte in Schleiden und Essen sein Referendariat, wurde 1969 am SGS Lehrer, 1971 Studienrat und 1973 Oberstudienrat. Seit 1986 leitete er die Schule als stellvertretender Leiter, seit 1990 als Leiter.

Seine Beförderung 1995 zum Oberstudiendirektor erfolgte aufgrund steigender Schülerzahlen. Während das SGS in den 80ern und Anfang der 90er schlechtbesucht war, stieg unter der Leitung Kaduks die Schülerzahl konstant. Besuchten die inzwischen 140 Jahre alte Schule im Jahr 1991 nur 327 Schüler, hat sich die Schülerzahl inzwischen auf 623 nahezu verdoppelt. Kaduk: „Wir sind eine alte Schule, doch weder verkrustet noch senil.“ Hielt Rainer Kaduk seine Rede, mit denen er die Sextaner begrüßte, hieß es beispielsweise: „Wir versuchen die Schüler dort abzuholen, wo sie stehen. Einer der Werte, die wir als Lehrer praktizieren und vermitteln wollen, ist der der Toleranz - Toleranz gegenüber unterschiedlichen politischen und religiösen Überzeugungen, auch gegenüber kirchlich nicht gebundenen Menschen.“

Gute Kontakte zu Vertretern beider Konfessionen waren für Rainer Kaduk über die Jahre selbstverständlich und trafen auf „Gegenliebe“. Stets war Kaduk bemüht, neue Felder zu erschließen. So gibt es eine Begabtenförderung, eine von 60 Eltern tatkräftig unterstützte Schülercafeteria oder eine Lernpartnerschaft mit Radio Euskirchen.

Nach seiner Verabschiedung und der Sortierung seines umfangreichen Archivs möchte Rainer Kaduk, der in Euskirchen lebt, reisen, lesen und Bücher schreiben. In Schleiden wird er sich weiter als Vorsitzender der Schleidener Vereinsgemeinschaft engagieren. Und in Ehren wird er die diversen Abschiedsandenken halten. So schrieb ihm eine Schülerin aus der fünften Klasse einen viereinhalb Seiten langen Brief, in dem sie sich an ihr Vorstellungsgespräch bei „Herrn Kaduk“ erinnert: wie ihr vor Aufregung das Zeugnis heruntergefallen war, wie Herr Kaduk es aufgehoben hatte und wie danach die Ängstlichkeit verflogen war. Die Schüler werden es vermissen, das morgendliche „Salvete pueri puellaeque - Salve magister.“