Köln – „Super Jansen“ lehnt lässig an der Wand im Büro des Schulleiters im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium. Das Konterfei von Dr. Peter Jansen klebt als Kopf auf der Comicfigur von Superman, voll in Action, mit Siegerpose. Die überlebensgroße Fotomontage ist eine Erinnerung an die letzten Schull- un Veedelszöch, in denen der Schulleiter mit Schülern und Lehrern als Supertrupp durch die Stadt zog. „Tolle Überraschung“, sagt der 66-Jährige lachend mit Blick auf das Poster im Zimmer, das er bald räumen wird.
Donnerstag ist sein allerletzter Schultag. Der 66-Jährige verabschiedet sich nach einem Jahr „Verlängerung“ nun tatsächlich in den Ruhestand. Kollegium und Eltern hatten den beliebten Schulleiter nach dem Einsturz des Stadtarchivs gegenüber dem alten Schulgebäude an der Severinstraße gebeten, während der schwierigen Interimszeit noch ein Jahr zu bleiben. „Das Unglück und der Auszug waren ein schwerer Schlag für alle. Die Identifikation mit dem FWG ist groß. Sie haben auch ein Stück Zuhause verloren“, so Jansen. Doch gemeinsam bewies das Gymnasium mit rund 1000 Schülerinnen und Schülern nach dem Umzug ins frühere VHS-Studienhaus am Neumarkt großes Wir-Gefühl: „Das FWG ist da, wo wir sind. “
Nun ist die traditionsreiche Schule noch immer am Neumarkt untergebracht. Den Umzug wird Jansens Nachfolger managen: Meinolf Arnold, derzeit stellvertretender Schulleiter am Dreikönigsgymnasium; Schulkonferenz und Schulausschuss sprachen sich für ihn aus. Am Mittwoch unterschreibt Jansen die letzten Zeugnisse nach 14 Jahren am FWG. Mit Blick auf die gesamte Zeit ist für den Doktor der Philosophie besonders die Entwicklung des FWG-Schulprogramms im Jahr 2000 ein Meilenstein. Zur 175-Jahr-Feier wurde das Konzept für ein Haus des Lernens, auf der Basis humanistischer Werte, auf den Weg gebracht. Im Schulvertrag wird seitdem eine persönliche Vereinbarung mit jedem Schüler getroffen.
Die differenzierte Mehrsprachigkeit mit Englisch und Latein als ersten Fremdsprachen, das Migrationsprojekt mit der Förderung von Kindern aus Flüchtlingsfamilien, die Einführung des International Baccalaureate waren wichtige Neuerungen. Vielfältige Kooperationen wie mit dem Theater der Keller oder auch dem Caritas-Therapiezentrum für Folteropfer gehören zur „offenen Schule“. Das Kollegium legt großen Wert auf die Entwicklung der Persönlichkeiten, das soziale Miteinander in einer gut gemischte Schülerschaft. Die Eltern beteiligen sich aktiv am Schulleben, freut sich Jansen. Viele Ehemalige bleiben als Förderer dem FWG treu.
„Kein Schüler ist nach dem Unglück gegangen, es gibt weit mehr Interessenten als wir aufnehmen können - trotz der momentan ,schwierigen Situation im Interimsquartier. „Aber wir werden auch das eine Jahr noch überstehen. Ich habe die Verwaltung als kooperativ und effizient erlebt.“ Beim erhofften Wiedereinzug 2012 möchte der engagierte Lehrer als Gast gern dabei sein. „Der Abschied ist bewegend. Es war eine sehr wichtige Zeit für mich, eine sehr schöne Arbeit mit einem tollen Kollegium und Schülern, aktiven Eltern. Aber nun freue ich mich auf mehr Zeit für Familie und Freunde, aufs Lesen, Reisen, Theater.“
