Sie wollten die Macht, und sie waren bereit, dafür (fast) alles zu tun. Hasan B. und Eren Ercan D. sind ganz schwere Jungs, wie ein Ermittler sagte. Waffen jeglicher Art hatten sie stets griffbereit, und im Kampf waren sie nicht gerade zimperlich. Am Montag um 9 Uhr stehen der 26-jährige Hasan und sein 27-jähriger Komplize vor Gericht. Der Prozess findet unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen statt.
Beide waren zeitweise Größen in der Kölner Unterwelt. Ihr Ziel: die Vorherrschaft im Türsteher- und Rotlichtmilieu auf den Ringen und das Sagen in Diskos und Nachtclubs in Nordrhein-Westfalen. Die Angeklagten gehören zum Dunstkreis von Necati A., dem inhaftierten Paten. Er soll im Herbst vor Gericht gestellt werden. Um die Vorherrschaft immer eindrucksvoll zu dokumentieren, trommelte Necati A. seine Untertanen zusammen und bot der Ring-Konkurrenz die Stirn. Die Tatorte sind das Pascha, die Disko Klima in Porz oder Vurals Café in Mülheim. Dort, so steht es in der Anklage, kam es zu schwerwiegenden Gewalttaten. Etwa 30 Gefolgsleute konnte der Pate innerhalb kürzester Zeit mit einer Telefonkette zusammentrommeln - und die Angeklagten waren bei einigen Alarmierungen mit von der Partie. Der Prozess am Montag in Saal 2 soll der Beginn sein für mehrere Gerichtsverhandlungen gegen verschiedenen Mitglieder der Türsteher-Szene.
Ihnen allen wird unter anderem die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Gegen Necati A. (Spitzname Neco) hat die Kölner Staatsanwaltschaft erst kürzlich eine 300 Seiten starke Anklageschrift erstellt. Der Inhalt ist erschreckend. Es wird auf dramatische Weise deutlich, wie menschenverachtend Neco mit jungen Frauen und mit Gegnern umgegangen sein soll. Ihm wird Menschenhandel, räuberische Erpressung, Waffenbesitz, Zuhälterei und Förderung der Prostitution vorgeworfen. Auch seine beiden direkten Gefolgsleute Ayan B. und Hüssein C. sollen sich im Herbst für ihre kriminellen Machenschaften verantworten.