MECHERNICH. Bodo wer? Diese Frage stand vielen Zuhörern in der Aula des Gymnasiums ins Gesicht geschrieben. In der Tat: Mit Bodo Wartke präsentierte Dr. Alexander Joist, Verantwortlicher der Kultur am Turmhof, einen weitgehend unbekannten Kabarettisten. Nur Insider ahnten, wer und was da auf sie zukommt. Wer? Ein 31 Jahre junger Künstler, der keine zehn Minuten brauchte, um das erstaunte wie erwartungsvolle Publikum auf seine Seite zu bringen. Und was? Klavierkabarett in Reim-, man könnte sagen in Reinkultur, wie Bodo Wartke seine Kunst der Unterhaltung bezeichnete: schmissige Lieder, mal in Moll, mal in Dur, mit exzellent gereimten Texten voller Wortwitz, zu denen er sich selbst am Flügel begleitete. Gleichzeitig und nicht nacheinander, wie er betonte, denn andererseits würde es ja doppelt so lange dauern.
Lustig, ohne sich über
andere lustig zu machen
Das ewig junge Thema Liebe dominiert seine Kompositionen, seine Verse - keine Politik, keine Wahlen, keine gesellschaftlichen Probleme, keine Religion: einfach nur Lieder über die Liebe. Das Publikum dankte es ihm mit lautstarkem Beifall. Die Lieder teilte er in sechs Kategorien ein, von den reinen Ich-liebe-dich-Liedern über Lieder einer enttäuschten Liebe bis zu Heimatliedern. Das tat er auf unterschiedliche Weise, mal ausschließlich auf weißen Flügeltasten, mal mit tiefschwarzem Humor, mal einfühlsam und tiefsinnig, immer jedoch köstlich-sarkastisch und oft mit überraschenden Pointierungen und Textwendungen.
Im Programm mit überwiegend älteren Eigenkompositionen besang Wartke das Dilemma des Vampirs, der seine Liebste ob seiner Blutsucht verliert, er steppte und stolperte über die Hinterlassenschaften der Vierbeiner auf dem Bürgersteig, offenbarte seine Liebe zur bildhübschen Tochter eines Schönheitschirurgen, zu der dieser wesentlich beigetragen hatte, erklärte den Zusammenhang zwischen Schiller und der GEZ und sparte, eine Ausnahme an diesem Abend, nicht mit einer höchst erquicklichen Satire auf die Bahn.
Mit seiner Musik und ironisch-witzigen Texten, oft mit unterschiedlichem Rhythmus und Versmaß, bewies der aus Bad Schwartau stammende Künstler, dass man lustig sein kann, ohne sich über andere lustig zu machen. Für dieses Programm erhielt er bereits 2004 den Deutschen Kleinkunstpreis.
Am Ende des gut zweistündigen Programms hatte das Publikum - die Aula war voll besetzt - Wartke ins Herz geschlossen. Mit lang anhaltendem Beifall dankten die Zuhörer Wartke für einen höchst unterhaltsamen Abend.