Köln – Um die Abende in der Kölner Sporthalle ranken sich Legenden, und als am 4. Januar 1998 der Startschuss zur letzen Stundenjagd abgefeuert wurde, lag Wehmut in der Luft - mancher soll gar ein Tränchen verdrückt haben. Nun erfährt das Sechstage-Rennen in der Domstadt eine Neuauflage: Am 6. November 2012 sollen sich die Fahrer nach fast anderthalb Jahrzehnten wieder zum Start auf der Deutzer Bahn aufstellen - diesmal in der Messehalle 9, die für eine Woche zum Radsportpalast umgebaut wird.
Initiator ist der Sportveranstalter Christian Stoll, offizieller Stadionsprecher der Fußball-Nationalmannschaft, des Bundesligisten Werder Bremen und zugleich Chef-Hallensprecher in der Hansestadt, wo eines der bekanntesten deutschen Sechstage-Rennen ausgetragen wird. Der 50-Jährige ist seit 20 Jahren im Geschäft um den Bahnradsport tätig, mit der Kölner Radsport-Szene bestens vertraut, und er kennt auch den Wettkampf in der Sporthalle noch aus eigenem Erleben. „Und ich weiß: Wenn es eine Stadt in Deutschland gibt, in der das Sechstage-Rennen aus dem Stand heraus wiederbelebt werden kann, dann ist es Köln.“
Seine Devise: „Lieber sechs Mal eine kleinere Halle bis auf den letzten Platz füllen, als vor einer halb leeren großen Halle zu fahren.“ Stoll und sein niederländischer Geschäftspartner Frank Boele wollen in der Messe eine mobile Bahn und Tribünen für rund 6000 Besucher aufbauen. „Andere Rennen leiden unter übergroßen Hallen. Die Halle 9, da sind wir sicher, bekommen wir sechs Mal voll.“ Vorfreude auch seitens der Kölnmesse Ausstellung GmbH: „Auch auf unserer Seite steckt viel Herzblut in der Vorbereitung“, so Sprecher Guido Gudat.
Stoll plant eine rasante Mischung aus Sport und Show. Das Motto lautet in der Woche vor dem Elften im Elften: „So startet Karneval“. Klar, dass neben Radfahrern auch Größen aus dem Kölner Fastelovend mit von der Partie sein werden. Daneben laufen bereits die Verhandlungen mit Gastronomen. Das Vergnügen soll bezahlbar sein. „Sie können den Leuten heute nicht allein fürs Ticket schon 50 Euro abverlangen, da soll schließlich noch ein Halver Hahn und das eine oder andere Kölsch drin sein“, sagt Stoll. Er kalkuliert mit einem Durchschnittspreis von 25 Euro.
Begonnen hatte die Geschichte des Kölner Sechstage-Rennens 1928 in Ehrenfeld. Sechs Jahre lang pilgerte das Publikum in die Rheinlandhalle, bis die Nazis das spannende Bahnspektakel verboten. Ab 1958 umrundeten zwischen Weihnachten und Neujahr in der Deutzer Sporthalle Größen wie Rudi Altig und Didi Thurau das Oval. Zum Abschied 1998 wünschte der damalige Sprecher Herbert Watterott: „Es muss einfach irgendwo, irgendwann mit dem Sechstagerennen in einer so radsport-verrückten Stadt wie Köln weitergehen.“
