WIPPERFÜRTH. Nicht wenige Wipperfürther haben es bedauert, als Kaplan Michael Schenk die Kirchengemeinde St. Nikolaus verließ, weil Joachim Kardinal Meisner ihn zum Direktor des päpstlichen Werkes für geistliche Berufe ernannt hatte. Nun kommt Schenk, dessen Kontakt zu der Stadt und ihren Menschen nie ganz abgerissen ist, für einen kurzen Besuch zurück nach Wipperfürth. Am Dienstag, 15. Juli, 19.30 Uhr, liest er im Alten Seminar aus seinem ersten Buch Ich bin so frei.
Nur Geistlicher ist er inzwischen nicht mehr. Vor acht Monaten wurde er auf seinen Wunsch hin von Kardinal Meisner aus dem Priesterdienst entlassen.
Wegen einer schweren Rückenkrankheit, die ihn bis heute plagt, hatte Michael Schenk sich zunächst beurlauben lassen müssen. Zog in seinem Krankenjahr, wie er es nennt, nach Hamburg, weil dort die Spezialklinik steht, die sein Leiden behandelte.
Wenige Tage vor dem Weihnachtfest 2001 wurden mir von mehreren Seiten Geschenke als kleine Begleiter mit auf die Reise in mein Krankenjahr nach Hamburg gegeben, erzählt er in seinem Buch. Darunter auch ein Anhänger in Form eines Ankers. Passend dazu erhielt Schenk in der Heiligen Nacht eine SMS-Nachricht via Handy: Dein Glaube ist stark, Liebe hast du genug in dir. Nur bei der Hoffnung können wir noch nachhelfen &
Die Hoffnungslosigkeit gehörte zu den schlimmsten Erfahrungen, die Schenk durch seine schmerzhafte Krankheit erleben musste. Einen solchen Zustand zu durchleben ist gleichzusetzen mit dem Durchschreiten verlassener Täler und dem Erleiden tiefster seelischer Abgründe, schreibt er.
Solche Sätze zeigen, wie persönlich Schenks Buch gehalten ist, ganz gleich, ob er über die Hoffnung schreibt, über die Liebe oder die Frage stellt: Wer bist Du, Gott?
In seinem Krankenjahr schrieb er gegen die Hoffnungslosigkeit an, ich habe geschrieben und geschrieben, manche Nächte durch. Die Anregung, das zu Papier gebrachte auch zu veröffentlichen, kam von alten Freunde aus Wipperfürth. Die Erfahrung eines freiwilligen oder unfreiwilligen Neuanfangs als Geschenk begreifen zu können, das will Schenk dem Leser vermitteln.
Letzten Endes war es auch die Krankheit, die ihn veranlasste, den Beruf des Priesters aufzugeben, der auch für ihn eine Berufung war. Leicht ist ihm die Entscheidung, der eine lange Zeit des Nachdenkens voranging, nicht gefallen. Das ist ein ganz langer Prozess, der auch weh tut, sagt er, zu lesen lernen, was einem der liebe Gott an Hausaufgaben gibt.
Seine eigentliche Berufung sieht Schenk darin, Menschen zu begleiten, mit Menschen unterwegs zu sein. Und das bleibt.
Also Seelsorge ohne Priestertum: Der Oberberger Schenk ist in Hamburg geblieben, wo er als Dozent, psychologischer Berater und Personal Coach den Ansatz der individuellen therapeutischen Seelsorge verfolgt. Das Priestertum hat er aufgegeben, aber den Glauben an Gott hat Schenk nicht verloren.
Und der feste Glaube spricht auch aus jeder Seite seines Buches. In den Buchhandlungen CoLibri und RGA-Büchermarkt, die die Lesung im Alten Seminar veranstalten, ist Ich bin so frei bereits erhältlich. (vk)
Michael N. Schenk: Ich bin so frei - Gedanken über Gott und die Welt, Hamburg 2003, ISBN 3-8330-0825-3, 22,90 Euro.