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Segelboot-Bergung „Himmelhund“ verlässt Rursee-Grund

Roger Sacha beobachtete vom Steg aus die Bergung seines Bootes. (Foto: Stollenwerk)

Roger Sacha beobachtete vom Steg aus die Bergung seines Bootes. (Foto: Stollenwerk)

Woffelsbach – An die Regatta um das „Hackebeil vom Rursee“ im Sommer 1986 kann sich Roger Sacha noch ganz präzise erinnern. Bei einer Wende in der Woffelsbacher Bucht kenterte die in der Piratenklasse startende Segeljolle namens „Himmelhund“, die er gemeinsam mit Steuermann Jens Moecke bei dieser Wettfahrt und ordentlich Wind manövrierte. Ein solches Unglück gehört für den Segler zum sportlichen Alltag, aber unglücklicherweise wurde in der Hektik des Geschehens die Inspektionsluke im Boot durch einen Fußtritt zerstört, und das für den Segelclub Bonn startende Boot lief voll Wasser. Verzweifelte Rettungsversuche schlugen fehl, das Boot versank, während es den beiden Besatzungsmitgliedern haarscharf gelang, sich zu retten.

25 Jahre später, an einem sonnigen Novembertag, steht Roger Sacha auf dem Steg des Yacht-Clubs Rursee und sieht einer hochspannenden Aktion entgegen. Taucher wollen das Wrack bergen und es nach einem Vierteljahrhundert vom Rursee-Grund wieder an Land bringen.

Selbst das Maskottchen überstand 25 Jahre im See

Am späten Nachmittag ist es dann soweit: Der „Himmelhund“ kommt ans Tageslicht. Das einst strahlend weiße Segel ist braun verschlammt, aber anhand der Nummer lässt sich das rund fünf Meter lange Boot eindeutig identifizieren. Der Rumpf aus Kunststoff ist noch erhalten, der Mast ist beim Hochziehen abgeknickt. „Das ist ein ganz besonderer und emotionaler Moment“, sagt Roger Sacha, erst recht als er das kleine, am Bug angebrachte Maskottchen entdeckt, das ebenfalls die 25 Jahre unter Wasser schadlos überstanden hat. Segel-Kollege Jens Moecke wäre auch gerne bei der Bergung am Start gewesen, doch er befindet sich derzeit in der Schweiz.

Nach einer ersten Inspektion des Wracks hatten die Unterwasser-Spezialisten vom Tauchclub Düren und vom Kreuzauer Tauchclub, die mit einem Dutzend Aktiver vor Ort waren, schon abgewunken und keine Chance auf Bergung gesehen. Was sie mitbrachten, waren lediglich einige Fotos. „Da liegt tonnenweise Schlamm im Boot“, berichtet Uwe Vogel, Tauchlehrer des Kreuzauer Tauchclubs. Aber dann gelingt es doch, den in knapp 17 Meter Wassertiefe ruhenden „Himmelhund“ mittels luftgefüllter Hebesäcke wieder ans Tageslicht zu bringen. Trotz extrem schlechter Sicht im durch feine Sedimente getrübten und acht Grad kalten Wasser gelingt es, auch mit Hilfe eines am Mast befestigten Seils, das Wrack fast unversehrt zu bergen. Der extrem niedrige Wasserstand des Rursees begünstigte die Bergung natürlich erheblich.

Nun liegt das Boot wenige Meter vom Ufer entfernt am Steg gesichert und dürfte so manchen Schaulustigen ans schlammige Rurseeufer locken.

Zufällig auf das Wrack gestoßen

Die Jolle, die damals einen Wert von gut 5.000 Mark hatte, soll dem Segelclub Bonn übergeben werden. Anerkennende Worte aller Beteiligten gab es für die Taucher und deren saubere Leistung.

Dabei war die Aktion am Rursee in erster Linie als Übung deklariert worden. „Wenn es uns dabei gelingen sollte, das Wrack zu heben, ist das um so besser“, sagte am Morgen noch Horst Lambertz, der Vorsitzende des Dürener Tauchclubs mit gebotener Zurückhaltung. Als Taucher vor gut zwei Wochen Ankerseile an einem Steg des Yacht-Clubs überprüfen wollten, stießen sie zufällig auf das Wrack und markierten den Fundort mit einer Boje. In der Vergangenheit hatte es bereits mehrere erfolglose Versuche gegeben, das gekenterte Segelboot zu finden.

Für Roger Sacha jedenfalls war es ein ganz besonderer Tag, nach 25 Jahren sein altes Segelboot wiederzusehen. Sein aufrichtiger Dank galt den Tauchern, die ihm einen Wunsch aber leider nicht erfüllen konnten: Die damals im Boot befindlichen Autoschlüssel konnten nicht mehr ausfindig gemacht werden.