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Seifenfabrik ist heute schick

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Ihre erste Begegnung mit 4711 hatte Andrea Basche mit zehn Jahren. Damals saß sie regelmäßig bei der Familie Mülhens an der sonntäglichen Kaffeetafel - Ferdinand Mülhens gehörte 4711 und Basches Vater, Heinz Barth, war ein Freund der Familie.

Heute ist sie erwachsen und hat jahrelang die alte 4711 Produktionsstätte in Ehrenfeld gemanagt. Zwischen Venloer Straße, Thebäerstraße und Vogelsanger Straße erstreckt sich das Areal, einst Herstellungsort von Seifen und Cremes sowie Sitz der 4711-Verwaltung. Vor drei Jahren wurden die alten Fassaden generalüberholt. Jetzt blitzen die hellen türkisfarbenen Keramikplatten in der edlen Goldfassung von den alten Gebäuden um die Wette.

Erbaut wurde die Seifenfabrik, ein riesiger Bau mit großer gerundeter Glasfront, und die etwas versteckte Cremefabrik in den 30er Jahren. Das neunstöckige Verwaltungsgebäude an der Venloer Straße folgte in den 60er Jahren. Bis 1993 produzierte 4711 seine Artikel in Ehrenfeld. Dann wurde die kölsche Traditionsfirma verkauft, die Produktion zog nach Ossendorf - und überließ die Stätte ihrem Schicksal. Bis Heinz Barth in die Bresche sprang.

„Mein Vater kaufte das Areal Mitte der 90er Jahre“, erinnert sich Basche. „Es war ein Nostalgie-Kauf. Alle hielten ihn für verrückt.“ Neben den Fabriken standen noch Lagerhallen aus Backstein auf dem Gelände - die ließ Barth kurzerhand abreißen, pumpte dafür ordentlich Geld in die Sanierung der Fabriken. Wie viel genau, mag Basche nicht sagen. Barth baute auf dem Areal zudem Wohnungen und das Barthonia-Forum, das er nach seinem Vater benannte. 1996 war der Sanierungsprozess dann abgeschlossen.

Doch die ersten Jahre verliefen schleppend, irgendwie fanden sich nicht die richtigen Mieter. „Mittlerweile sind wir zu 95 Prozent ausgelastet“, sagt Basche und guckt dabei ein bisschen stolz. Während sich im Forum unter anderem Cafés und ein Supermarkt niederließen, bestehen die alten Fabrikhallen ausschließlich aus Büros - riesige, durchdesignte Lofts, die ein bisschen nach „New Economy“ riechen und in denen junge, hippe Arbeitnehmer sitzen, die zum Anzug Turnschuhe tragen. Ein Büro hat so lange Gänge, dass die Mitarbeiter mit Scootern durch die Gegend flitzen.

Im krassen Gegensatz dazu steht das Treppenhaus der alten Seifenhalle, durch das eine leichte Brise Nostalgie weht: Es schimmert in weißem Travertin mit türkisfarbenen Tupfern. Die Geländer sind gülden, die Wände weiß getüncht mit Bildern aus alten Produktionstagen. Und wenn man tief einatmet, kann man sogar noch etwas Seife riechen. „Vor zehn Jahren war das noch ganz intensiv“, erinnert sich Basche. Unten im Keller sollen immer noch 18 alte Eichenfässer lagern, die früher zur Produktion genutzt wurden. „Und es gibt einen gekachelten Raum. Dort ist ein riesiger begehbarer Tresor, in dem früher die wertvollen Essenzen für die Parfümherstellung lagerten.“

Die Räume sind keine Käfige, wie Basche sagt, wo alles gleich ist. „Die Objekte leben. Sie sind neu und alt. Sie haben einen ganz bestimmten Reiz.“