BEDBURG – Rückenschmerzen hatte Alexandra Bünnagel (41) bereits seit ihrem 20. Lebensjahr. Damals allerdings ahnte sie noch nicht, was genau der Grund für ihre ständigen Schmerzen war. Zunächst hieß es einfach nur, sie sei zu schnell gewachsen. Später tröstete man sie mit dem Argument, sie habe ihre Tochter zu oft getragen. Doch trotz Massage und Gymnastik, die Rückenschmerzen blieben.
Bereits im Alter von 35 Jahren erlitt sie einen Bandscheibenvorfall. Als sich im vergangenen Jahr auch noch häufiger Ohrendruck und zunehmend Schwindelgefühle einstellten, diagnostizierten die Ärzte ein psychisches Problem. Doch damit konnte und wollte sich die junge Frau nicht zufrieden geben. „Ich hatte schon damals das Gefühl, dass es einen anderen Grund für die Erkrankung gibt“, erklärt nun Alexandra Bünnagel.
Eine Kiefernklemme gab schließlich den Auslöser, sich erneut in Behandlung zu begeben. Sie wendete sich an ihren Physiotherapeuten. Nur wenige Millimeter konnte Alexandra Bünnagel ihren Mund öffnen. Wochenlang konnte die junge Frau nur Suppen und halbflüssige Milchspeisen über einen Strohhalm oder einem kleinem Teelöffel zu sich nehmen. Trotz intensiver Behandlung - Dehnübungen und Massage - dauerte es Wochen, bis ihr Unterkiefer die gewohnte Beweglichkeit zurück hatte. Doch die Diagnose für all die Beschwerden stand fest: Alexandra Bünnagel leidet an einer Fehlstellung des Unterkiefers, einer Craniomandibulären Dysfunktion (CMD).
Seit Februar diesen Jahres trägt sie eine Zahnspange. Seither haben sich ihre Beschwerden um ein Vielfaches reduziert. Wahrscheinlich ist, dass eine falsche Kiefernbehandlung im Kindesalter die Symptome ausgelöst haben. „CMD kann man aber auch durch falsch angepasste Prothesen oder falsch gesetzte Zahn-Plomben bekommen“, weiß sie heute. Mindestens einmal im Monat fährt sie inzwischen nach Münster, wo ihr ein Kiefernchirurg die neue Zahnspange präzise anpasst. Die 41-Jährige schätzt, dass sie ihre Zahnspange mindestens eineinhalb Jahre tragen muss.
Um mit anderen Menschen mit ähnlichen Symptomen in Kontakt zu kommen, hat die 41-Jährige nun eine Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Aus Internetkontakten weiß sie inzwischen, wie wichtig es ist, sich mit Leidensgenossen auszutauschen, um offenen über die Probleme und Beschwerden reden zu können.
„In der Selbsthilfegruppe machen die Teilnehmer aber auch die Erfahrung, dass sie mit ihren Leiden nicht alleine dastehen und sich die Beschwerden auch nicht einbilden“, erklärt die 41-Jährige. Auch kann sie sich vorstellen, in einer Gruppe Erfahrungen mit Ärzten und Behandlungsmöglichkeiten auszutauschen.
Noch hat jedoch kein Treffen statt gefunden. Sie sollen je nach Bedarf zwischen einmal die Woche und einmal im Monat im Rhein-Erft-Kreis stattfinden.
Interessenten können sich bei Alexandra Bünnagel melden unter Telefon (02272) 90 58 83 oder per E-Mail: a.buennagel@netcologne.de.
