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SerieBühnenprofi war auch privat der Boss

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Köln – Einmal im Jahr, zu Silvester, zeigt sich die Kölner Lokalredaktion der Rundschau im Foto ihren Lesern. Aber als wir 1993 mit Willy Millowitsch in seinem Theater zum Gemeinschaftsfoto verabredet waren, war alles anders. Man hörte den Chef eher, als dass man ihn sah. Irgendetwas ging ihm gegen den Strich; wir hörten Willy nur knurren.

Dann war der Fotograf bereit, wir alle recht nervös; Millowitsch erschien einigermaßen schweigsam. Er setzte sich mitten auf das Sofa (natürlich sollte er der Mittelpunkt sein). Und dann - dann wurden die Scheinwerfer angestellt, und in dem großen Volksschauspieler ging eine Verwandlung vonstatten: Er setzte sich straff hin, lächelte strahlend und sympathisch, verbreitete Willy-Atmosphäre. Jetzt war er auch in Wirklichkeit der Mittelpunkt. Ein Star zum An- und Ausknipsen?

Auf der Bühne war der Mann, soweit das für den Laien erkennbar war, zu jeder Sekunde Profi. Willy Millowitsch, der nie eine Schauspielschule besucht hatte, konnte die Schauspielkunst offenbar „mit den Augen stehlen“. Sie war ihm mit den Jahren in Fleisch und Blut übergegangen. „Alles kam von Natur aus“, sagte er im Rundschau-Interview. 75 Jahre spielte Willy Theater; er tat es gern - fast immer. Mit 14 bekam er die erste Lustspielrolle. Da wäre er lieber rodeln gegangen, aber das wurde ihm von den Eltern (Peter, ein Düsseldorfer, Käthe, eine Wienerin) verboten: Es hätte ja etwas passieren können.

Seine Prominenz war ihm nie eine Last. Das prägnante Aussehen mit vollem Haar, Schnäuzer, Brille und Korpulenz wirkte wie ein Sonderausweis, der sämtliche Sperren aufhob. (Der Karnevalist Oliver Hoff imitierte ihn gekonnt, gefiel Willy anfangs aber gar nicht: „Er hat übertrieben.“) Seine unverwechselbare Stimme hatte indessen einen Haken: Er durfte nie einen anderen Schauspieler synchronisieren.

Über 1000 Mal hat er den „Etappenhasen“ gespielt, so oft wie kein anderes Stück; leid geworden ist es ihm nie. Das mag auch daran gelegen haben, dass es ihm 1953 zu einem großen Erfolg im Fernsehen verhalf (eine eigentlich vorgesehene Sportveranstaltung war ausgefallen). Die LiveÜbertragung aus dem Theater sah man nicht nur an den damals knapp 5000 privaten Fernsehern, sondern in tausenden von Kneipen, in denen die TV-Geräte den Wirten ein Riesengeschäft sicherten.

Willy, der Geschäftsmann: Ohne Fernsehen hätte sein Theater vermutlich nicht überlebt. So aber wurde es sehr populär, wie der Chef, ein vermeintlicher „Bilderbuch-Kölner“, selbst auch. Die zusätzlichen Einnahmen flossen zu einem Gutteil ins Theater wie auch das Geld für Werbung („Botterramm“, „Holland-Hähnchen - Güteklasse Aaaah!“), die Einnahmen aus dem Schallplattenverkauf (allein „Schnaps, das war sein letztes Wort“ ging mehr als eine Million Mal über die Ladentheke), die Kinogagen oder das Geld für Karnevalsauftritte (etwa die „Lachende Sporthalle“ im legendären weißen Jackett und mit Fritz Webers „Ich ben ne kölsche Jung“).

Sich selbst bezeichnete Willy Millowitsch als „heiter, gelegentlich auch witzig“; andere, die ihn gut kannten, sahen das „heiter“ höchstens mit einigen Abstrichen. Von seinen vier Kindern Katarina, Peter, Susanne und Mariele wandten sich drei dem Schauspielfach zu, Susanne wurde Buchhändlerin. Katarina ist zugleich promovierte Pädagogin, Mariele promovierte Tierärztin.

„Einen Vater gab es nicht, es gab nur einen Schauspieler“, urteilte Katarina einmal. „Unser Verhältnis war und ist im Eimer“, bedauerte Peter im Rundschau-Interview nach Willys Tod. Er nannte den Vater, der 1999 starb, „Chef“ oder „Willy“; der behandelte ihn oft schroff, abweisend. Nur schwer trennte er sich 1994 zugunsten seines Sohnes von der Chefrolle. Willys Ehefrau Gerda, mit der er in zweiter Ehe verheiratet war, hatte seinen Respekt. Sie organisierte den großen Haushalt in Lövenich und hielt ihm den Rücken frei.

Bei dem legendären „Arsch huh“-Konzert 1992 auf dem Chlodwigplatz zeigte Millowitsch Flagge gegen Ausländerfeindlichkeit; er sprach den Prolog aus „Des Teufels General“. „Das hatte man mir nicht zugetraut“, sagte er im Interview zum 90. Geburtstag. „Den ,Klefisch auch nicht.“ Tatsächlich hatte er in den sechs Folgen als pensionierter Fernsehkommissar „Klefisch“ auch im ernsten Fach geglänzt. Dass es keine Fortsetzung gab, hat ihn sehr geschmerzt. Seit Mitte der 90er hatte er wegen Schmerzen auch nicht mehr Theater gespielt. Und mit Gehstock auftreten, sagte er, „das will ich nicht“.