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„Sie sind doch der Herr Stollwerck?“

4 min

Hans Imhoff.

KÖLN. Er hat Schokolade nicht nur hergestellt und verkauft. Er hat Schokolade geliebt. Immer wieder hat Hans Imhoff davon erzählt, wie er als Kind mit dem Rad an der Kölner Stollwerck-Fabrik vorbeifuhr und sich „am Kakaoduft sattriechen“ musste, weil kein Geld da war. Später stand er „Auf der Schokoladenseite“ und war „Der Schokoladenkönig“ (so die Titel seiner beiden Biografien). Er hat seinem Produkt mit dem Schokoladenmuseum am Kölner Rheinauhafen ein Denkmal gesetzt.

Berufsbezeichnung:

„Fabrikant“

Und als die Firma Lindt 2006 einen Sponsorenvertrag mit diesem Museum schloss, genoss Hans Imhoff einen seiner letzten öffentlichen Auftritte: Längst auf den Rollstuhl angewiesen, saß er da und ließ sich ein ganzes Blech frischer Trüffel präsentieren. So wie er es früher genossen hat, Besucher durch die Werke seines Unternehmens zu führen, jener Stollwerck AG, deren Produkte schon dem kleinen Hans in die Nase gestochen hatten.

Als Stollwerck noch ihm gehörte, führte er in den Geschäftsberichten die bescheidene Berufsbezeichnung „Fabrikant“. 1972 hatte er die damals beinahe bankrotte Schokoladen- und Pralinenfabrik übernommen. Imhoff, Jahrgang 1922, war damals schon 50 Jahre alt, hatte 1945 ein Großhandelsunternehmen und kurz danach eine Schokoladenfabrik an der Mosel aufgebaut und war 1964 durch einen Zukauf in der Schweiz und einen Liefervertrag mit Tobler groß ins Geschäft gekommen.

Dann, 1972, die Übernahme der Stollwerck AG - übrigens gegen den entschiedenen Widerstand von Alfred Herrhausen, Vorstandsmitglied des damaligen Hauptaktionärs Deutsche Bank. Sechseinhalb Stunden lang bleibt Herrhausen standhaft, und zwar im Wortsinn. Dann wird Imhoff, dem nur 0,11 Prozent des Aktienkapitals gehören, zum Aufsichtsratschef gewählt. Er verlegt 1975 den Firmensitz aus dem Kölner Severinsviertel nach Porz, strafft die Produktpalette, baut einen der erfolgreichsten europäischen Schokoladenkonzerne auf. Zeitweilig hatte Stollwerck weltweit 7000 Beschäftigte und erzielte rund zwei Milliarden Mark Jahresumsatz. An die Vergangenheit im Severinsviertel erinnert die Bronzeskulptur des „Stollwerck-Mädchens“; in den 80er Jahren waren die leeren Fabrikgebäude Zentrum einer anderthalb Monate währenden Besetzung, heute stehen dort Sozialwohnungen.

Imhoff, nun Mehrheitsaktionär, wirbt im Fernsehen für „Alpia“-Schokolade und wird auf der Straße angesprochen: „Sie sind doch der Herr Stollwerck?“ Auf einer Hauptversammlung stellt er in einem Film seinen Lebenstraum vor: das „Imhoff-Stollwerck-Museum“ am Rheinauhafen. Später probiert er die Idee mit einer großen Ausstellung im Gürzenich, die begeisterten Kölner überrennen sie. 1993 wurde das neue, gut 55 Millionen Mark teure Schokoladenmuseum eröffnet. Heute besuchen es 650 000 Menschen im Jahr, es gibt 5000 Führungen - fast so viele wie im Dom.

Hans Imhoff hält aber auch in rauen Zeiten stand. Nach der Wirtschaftskrise in Russland 1998 - Stollwerck hatte dort groß investiert - gleicht er einen großen Teil des Verlustes aus und berichtet auf einer Hauptversammlung: „Da bin ich in den Keller gegangen, habe ein paar Ziegelsteine weggeräumt und 30 Millionen Mark aus einem Loch geholt.“

Überhaupt die Hauptversammlungen. Die Familie Imhoff hielt rund 95 Prozent der Aktien; der Chef genoss den Auftritt sichtlich. Jeder Kleinaktionär durfte sich auch auf ein Fläschchen Sekt und ein kleines Schokoladendeputat freuen. Und nicht nur darüber. „Wer mir unser Eigenkapital nennen kann, kriegt 100 Mark“, rief Imhoff 1999. Kurzes Überlegen, dann antwortet ein Kleinaktionär: „190 Millionen.“ Gewonnen - Imhoff wedelt mit dem Geldschein, die Aktionäre jubeln.

Ein Jahr später räsonnierte Imhoff vor den Aktionären darüber, wie lange er den Job noch machen würde: „Et kütt wie et kütt.“ Und es kam anders, als viele dachten. 2002 ging die Stollwerck AG an Barry Callebaut (siehe Kasten).

Schon 2001 hatte Imhoff große Teile seines Vermögens in die gemeinnützige Imhoff-Stiftung eingebracht, mit damals 150 Millionen Mark Stiftungskapital die größte Stiftung der Region. Daraus sind längst über 100 Millionen Euro geworden. Die Stiftung fördert Wissenschaft - so an der Kölner Medizinischen Fakultät -, Kunst und Soziales, auch das Zentrum für Therapeutisches Reiten, das Imhof 1990 gegründet hatte.

Zur Vorstellung der Stiftung konnte Imhoff, damals schon ein kranker Mann, nicht erscheinen, und auch als ihm die Stadt Köln im Herbst 2001 die Ehrenbürgerwürde verlieh, musste seine Frau Gerburg ihn vertreten. Für ihn war diese späte Ehrung wohl auch die größte - nach dem Bundesverdienstkreuz, mehreren Ehrendoktortiteln, dem Honorarkonsulat der Republik Togo. Hans Imhoff hinterlässt seine Frau und vier Kinder. Beigesetzt wird er im Familienkreis. Ein öffentlicher Trauergottesdienst findet am 14. Januar in der Kölner Trinitatiskirche statt.