Mit Dreck und Speck direkt von der Baustelle und in einem 40 Tonner in Richtung Kirche; dort den Lastwagen vorm Eingang geparkt und im Gotteshaus das Ave Maria für ein frischverliebtes Hochzeitspaar gesungen. Ungewöhnlich? Ja klar, aber was ist bei Gisela Pütz schon normal?
Die Frau ist eben in einigen Bereichen so - so wohltuend anders. Was seit einigen Jahren unter dem Begriff Emanzipation durch die Welt kriecht, das lebt die 55-Jährige aus Sistig ohne mit der Wimper zu zucken und ganz selbstverständlich vor. Dass eine Frau ihren Mann steht, und dabei noch alle rundherum glücklich sein können - bei Gisela Pütz nicht Trend, sondern Lebensgrundsatz.
Vor 33 Jahren machte sie ihn offiziell: den Lkw-Führerschein für satte, belastbare Züge. Grund dafür war ihre bessere Hälfte, ihr Ehemann Rolf Pütz , Inhaber der Speditionsfirma Pütz in Sistig.
Der traditionsreiche Betrieb wurde in den 40er Jahren von Erich Pütz gegründet. Als erstes Einsatzfahrzeug nahmen die Pützens einen Pferdekarren in den Tagesdienst. Dem Karren folgte ein rustikaler Traktor. Heute fahren mehr als ein halbes Dutzend Pütz-Lastwagen durch die Lande.
Nach einigen Proberunden, damals, 1971, benötigte die couragierte Frau mit den blitzblauen Augen und dem perfekt gezogenen Lidstrich genau eine Fahrstunde, dann besaß sie die Lkw-Fahrlizenz. Zuerst machte sie sich in Kall und Umgebung einen Namen als Klüttenliesel. Sie fuhr die Kohlen rum, zentnerweise Briketts wie nix. Mit dem Schwengel drehte sie den Kipper hoch, schleppte die Kohlensäcke durch die Landschaft und läutete immer wieder mit der großen Handglocke. Irgendwann stieg sie um, fährt seither von Baustelle zu Baustelle.
Zu Beginn staunten die Männer auf den Baustellen nicht schlecht, als eine hoch gewachsene Dame mit langem, schwarzem Pferdeschwanz zielgerichtet die dicksten Zweispanner vor Ort parkte, Baumaterial oder Erdaushub abkippte und bei Regen die nassen, klebrigen Erdklumpen von der Ladefläche schaufelte und kratzte.
Anfangs wurde ich auf den Baustellen nicht akzeptiert", so Gisela Pütz. Krumme Bemerkungen blieben nicht aus. Doch die Dame aus Sistig, absolut nicht auf den Mund gefallen, konterte verbal und errang im Laufe der Zeit die ihr zustehende Achtung. Sie ist der Meinung: Männliche Hilfe, die wollte ich nicht. Jeder muss seine Arbeit selber machen.
Mit recht wenig Schlaf, aber viel Lebensfreude meistert Gisela Pütz ein enormes Tagespensum: acht Stunden Fahrt auf dem Bock, Fahrzeuge waschen und reparieren. Ich fahre wirklich mit Liebe, mir macht die Arbeit einfach Spaß. Nur zu Hause bleiben, das könnte ich nicht. In Urlaub braust die Lastwagen-Fahrerin nie. Stattdessen genießt sie jede Minute die Sonne der Eifel, notfalls auch in der Mittagspause auf der Ladefläche ihres fahrbaren Untersatzes.
Nach Feierabend pflegt sie mit viel Liebe im eigenen Haus sowohl ihre Mutter als auch ihre Schwiegermutter. Tochter Manuela Pütz-Pützer unterstützt sie bei aller Arbeit tatkräftig, auch die neunjährige Enkeltochter Jacqueline fasst schon mit an.
Im Sistiger Karneval gilt Gisela Pütz als Elferrats-Urgestein. Der Weiberdonnerstag beginnt für sie oft mitten in der Nacht im Streuwagen oder am Steuer eines Schneepflugs.
Obwohl sie während ihrer Touren nur selten Musik hört, stattdessen lieber sinniert und philosophiert, etwa über Politik oder die ständig steigenden Benzinpreise - greift sie als aktive Musikerin nach getaner Arbeit gerne zum Quetschböggel (Akkordeon) oder zur Dicken Oma (Kontrabass). In diesen Momenten gilt ihr Grundsatz Oma ist für datt Hämmern zuständig, den Gisela Pütz immer wieder gerne von sich gibt, ausnahmsweise nicht mehr.