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Sittarder HofDas Ende kam nach hundert Jahren

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ELSDORF – Die Abrissbagger nagen zurzeit am ehrwürdigen Gemäuer des Sittarder Hofes im Süden von Berrendorf-Wüllenrath. Dem Fortschritt des Tagebaues Hambach steht das ehemals stattliche Hofgeviert, das vor fast genau 100 Jahren errichtet wurde, im Wege.

Nachdem die einer Vorburg ähnlichen Wirtschaftsgebäude, die von den zwei markanten Türmen mit den charakteristischen glockenförmigen Turmhelmen begrenzt wurden, bereits in den vergangenen Wochen niedergelegt wurden, ist jetzt die detailfreudige Fassadengliederung des Herrenhauses zur Hofinnenseite auch für Passanten von der Landstraße und von Wanderwegen aus sichtbar. Einsam wacht der östliche Eckturm noch über das Areal, nachdem auch die markante Toreinfahrt bereits abgebrochen wurde. Davor türmen sich, fein säuberlich nach Ziegeln, Balken und sonstigen Baumaterialien sortiert, Berge von Schutt, die auf den Abtransport warten.

Auf dem Areal entstanden die ersten landwirtschaftlichen Gebäude im Jahr 1850, Besitzer war damals der Aachener Textilfabrikant Wilhelm Matzerath. Dessen Tochter heiratete 1866 den Landwirt Valentin Pfeiffer, der vier Jahre später mit Eugen Langen die Zuckerfabrik gründete, die 1871 den Betrieb unter anderem mit der Herstellung der patentierten Zuckerwürfeln aufnahm.

Der Hof und die dazugehörigen Felder wurden zu der Zeit für Experimente im Rübenanbau und der Perfektionierung der Zuckerrübe genutzt. Um die Hofstelle herum ließ Pfeifer 1881 einen Landschaftspark nach englischem Vorbild anlegen. 1910, nach dem Tod von Valentin Pfeifer, wurde das Herrenhaus von Max Pfeifer neu errichtet und auch die Wirtschaftsgebäude wurden umgebaut.

Seit vor Jahren bekannt wurde, dass der Sittarder Hof abgebrochen werden soll, hatten sich die Elsdorfer Lokalpolitik und einige Initiativen für den Erhalt des denkmalgeschützten Hofs eingesetzt. Eine dafür erforderliche Verlegung der Tagebaukante um ein paar Dutzend Meter konnte jedoch nicht erreicht werden.

Gerettet werden konnte das schmiedeeiserne Tor, das jetzt im Gemeinde-Bauhof lagert, um später in das Forumsgebäude integriert zu werden. Auch auf die Treppenanlage im Herrenhaus hatte der Denkmalausschuss ein Auge geworfen. Ausbau und Wiederverwendung stellten sich jedoch als zu kompliziert heraus. Auch von der Idee, einen Turmhelm an anderer Stelle wieder aufzubauen, nahmen die Politiker Abstand. Beim Abbruch der Burg Reuschenberg konnte vor Jahren eine solche Umsiedlung verwirklicht werden. Der Turm steht heute auf einem privaten Grundstück unweit des Elsdorfer Soldatenfriedhofs an der Kaninhütte.

In den nächsten Wochen werden nun auch die noch verbliebenen Gebäude des Sittarder Hofs dem Erdboden gleich gemacht.