Andere Länder, andere Silvesterbräuche: Zur Jahreswende lernen oberbergische Landsleute umgedrehte Weihnachtsbäume, königliche Ansprachen und stille Nächte kennen.
Göteborg
Meine Frau Karen und ich stammen beide aus Strombach. Auch unsere Kinder Ole, Nils und Svea Nadia lieben es, Omas und Opa in der Straumicke zu besuchen. 2006 führte uns eine spannende berufliche Veränderung ins Land der Elche.Ich erhielt als Pastor eine Einladung mit dem Auftrag, in der zweitgrößten Stadt des Landes neue und relevante Gemeindemodelle für die Kirche der Postmoderne zu entwickeln. Daraus wurde das Projekt „H2O“, und weil die größten Herausforderungen der Zukunft Einsamkeit, zerbrochene Familien und Ausländerintegration sind, haben wir immer wieder kreative Events für Menschen aller Couleur. Silvester bildet da keine Ausnahme. Der Göteborger Silvesterauftakt ist traditionsgemäß ein organisiertes Hafenfeuerwerk nach Sonnenuntergang, von wo aus zehntausende Göteborger zu ihren Partys strömen. Wir feiern grundsätzlich Mitbringpartys mit Essen aus aller Herren Länder, mit Musik, Spiel, Andacht und kreativen Ideen – etwa einer„Sound-of-Music“-Verkleidungsparty. Wir wünschen allen Oberbergern und OVZ-Lesern ein „gott nytt år“, ein frohes neues Jahr!
Marcus Fritsch
Horsholm
Vanessa Lindner
Singapur
Ich bin 21 Jahre alt und komme aus Bergneustadt. Ich befinde mich zurzeit auf dem Schiff „Logos Hope“ und arbeite mit 400 anderen Menschen aus etwa 50 verschiedenen Nationen als Freiwilliger für zwei Jahre an Bord. Als größter schwimmender Bücherladen der Welt fahren wir in viele verschiedene Länder, um Menschen Literatur zugänglich zu machen. Ich arbeite im Bereich „Help Ministry“, wo ich Teams koordiniere, die für Baueinsätze ins Landesinnere gehen und unter anderem HIV-Prävention durchführen. Letztes Jahr befanden wir uns im Libanon,dieses Jahr feiern wir das Jahresende in Singapur. Das Fest erleben wir also bei warmer, schwüler Luft im Herzen Südostasiens. Aufgrund der vielen verschiedenen Kulturen an Bord ist Weihnachten sehr bunt.
Jan Engelmann
Unosugen
Mein Wohnsitz ist Bergneustadt, wo ich 1969 auch geboren wurde.Zurzeit befinde ich mich in Unosugen, das ist in Indien, Provinz Gojarat. Dort lebe ich in einem Camp meines Arbeitgebers, welches eher einer Ferienanlage gleicht: Dazu gehören Swimming-Pool, Fitness-Center und ein First-Class-Restaurant, das ein deutscher Koch führt. Hier wird ein neues Kraftwerk errichtet. Für meinen deutschen Arbeitgeber leite ich den Bau der Wasseraufbereitung. Es ist immer wieder spannend und eine neue Herausforderung, mit Mitarbeitern aus den verschiedensten Kulturkreisen zu arbeiten.Auf der Baustelle und im Camp leben wir bunt zusammengewürfelt, und es ist ein sehr gutes Beispiel dafür, dass ein Multi-Kulti-Zusammenleben erstklassig funktioniert.Wie mir mein indischer Team-Kollege erzählte, wird in Indien Silvester je nach Region unterschiedlich gefeiert. In seiner Region (Mumbai und weiterer Umkreis) wird getanzt, getrunken und auch Feuerwerk entzündet. Am 31. Dezember, meist jedoch am 1. Januar, gehen Buddhisten wie Hindus zum Tempel, um für ein gesundes und erfolgreiches Jahr zu beten. Wie ich meine Silvesternacht verbringen werde, ist noch nicht entschieden. Es sieht danach aus, dass ich mich mit ein paar Kollegen im Camp treffe und wir das eine oder andere Glas leeren,in Erinnerungen schwelgen und an unsere Familien denkenwerden.
Ralph A. Poddewijn
Park City
Ich bin 22 Jahre alt, stamme aus Morsbach und bin im Augustals Au-pair-Mädchen nach Amerika gegangen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern. Ich lebe für ein Jahr in einer Gastfamilie in Park City (US-Bundesstaat Utah) nahe der Olympiastadt Salt Lake City.In Amerika vermisse ich die Weihnachtsmärkte deutscher Art und den Adventskalender. Das Besondere am Weihnachtsfest in unserer Familie ist: Der Weihnachtsbaum steht auf dem Kopf, „upside down“, wie die Amerikaner sagen.Den Jahreswechsel werde ich mit meinen Gasteltern und ihren zwei kleinen Söhnen in Mexiko verbringen und ein paar Tage Strandurlaub genießen. Feuerwerk darf hier übrigens nur die Feuerwehr abbrennen. Privat ist das verboten. Die Familien feiern meist Silvester zu Hause, zum Essen gibt es Raclette.
Sarah Halberstadt
Langley
Ich bin 15 Jahre alt und wohne in Engelskirchen-Loope. Normalerweise gehe ich am Aggertalgymnasium zur Schule, doch im August habeich mich entschieden, für fünf Monate nach Kanada zu gehen, um mein Englisch zu verbessern, unabhängiger zu werden und eine neue Kultur kennenzulernen. Mittlerweile habe ich schon zirka 17 Wochen in Langley nahe Vancouver verbracht. Silvester werde ichim Kreise meiner Schulfreunde feiern und danach die letzten vier Wochen in British Columbia genießen.
Thorben Pollerhof
Hockessin
Ich wohne eigentlich in Morsbach-Lichtenberg, seit Juli bin ich als Au-pair in Amerika. Um genauer zu sein, in Hockessin, Delaware, an der Ostküste Amerikas. Hier wohne ich jetzt für ein Jahr in meiner Gastfamilie und passe auf die Kinder auf, während meine Gasteltern arbeiten. Die Mädchen sind sechs Monate und zwei Jahre alt und sorgen dafür, dass mir nicht langweilig wird. Da in Delaware Feuerwerkskörper gesetzlich nicht erlaubt sind, wird Silvester auf jeden Fall anders ausfallen als in Deutschland. Vermutlich werde ich aber mit Freunden im Nachbarbundesstaat Pennsylvania nach guter deutscher Art feiern. Also mit Bleigießen und ganz vielen Raketen!
Anna Schneider