KREIS EUSKIRCHEN. Wenn der Weilerswister Landwirt Ralf Klünter morgens aufsteht, dann geht er zunächst nicht etwa an den Frühstückstisch, sondern in seinen Kuhstall.
Hier warten 50 Milchkühe darauf, zuerst gemolken und anschließend mit reichlich Futter belohnt zu werden. Für die Kühe ist die morgendliche Melk-Aktion längst zur Routine geworden. Bauer Klünter kann zehn Kühe gleichzeitig melken. Sobald er die Tür zur Melkstation öffnet, gehen die Vierbeiner hintereinander hinein.
Ich muss nur aufpassen, dass die Kühe ihren Lieblingsplatz bekommen, sagt Klünter lachend. Denn wenn das nicht der Fall sei, würden sie ganz schön bockig werden. Zuerst geht er von Tier zu Tier, packt sich das Euter und melkt eine geringe Menge Milch ab. Dann erst wird das Melkgeschirr angelegt.
In 1,5 Stunden werden
50 Kühe gemolken
Die so genannten Melkbecher stülpt Klünter über die Zitzen des Euters. Dort wird ein pulsierender Unterdruck erzeugt. Er ist so gewählt, dass am Euter ein Vakuum entsteht. Die meisten denken, die Maschine würde die Milch abpumpen, doch das stimmt so nicht.
Die Milch fließt dank des Unterdrucks aus den Bechern über die Schläuche in den 3500 Liter fassenden Kühltank. Hier wird sie von etwa 37 Grad auf vier Grad abgekühlt.
Wie lange eine Kuh gemolken werden muss, ist vollkommen unterschiedlich: Manche Tiere lassen von alleine laufen, andere brauchen eben etwas länger. 15 bis 20 Minuten dauert es, bis alle zehn Kühe ihre Milch gegeben haben.
Danach öffnet Klünter die Tür der Melkstation, gibt der ersten Kuh einen leichten Klaps, und die Tiere laufen wieder hintereinander in den Stall. Eine Spitzenmilchkuh gibt etwa 60 Liter pro Tag, rechnet Klünter vor. Dagegen habe er einige, die höchsten 15 bis 20 Liter geben würden. Durchschnittlich produziere ein Kuh etwa 9 000 bis 10 000 Liter Milch im Jahr.
Rund eineinhalb Stunden dauert es, bis alle 50 Kühe das Prozedere durchlaufen haben. Im Stall füttert derweil der 64-jährige Vater Egon Klünter die 50 Tiere. Sobald sie in den Stall entlassen werden, marschieren sie geradewegs an ein Futterterminal.
Der Landwirt hat jedem Tier einen Transponder am Hals befestigt. Der registriert, wie viel Kraftfutter, bestehend aus Getreide und Soja, das Tier täglich bekommen soll. Je mehr Milch eine Kuh gibt, desto mehr Kraftfutter bekommt sie.
Zusätzlich verfüttert der Landwirt täglich etwa 17 Kilogramm Maissilagen und Pressschnitzel (klein gemachte Zuckerrüben) sowie 17 Kilogramm Grassilage. Hinzu kommt auch noch das Gras, dass die Tiere tagsüber auf der Weide fressen.
Denn in dem 20 Jahre alten Stall können die Tiere selbst entscheiden, ob sie drinnen oder darußen sein möchten. Einmal in der Woche wechseln die Klünters das Stroh im Stall, der unterkellert ist. Daher fällt die Gülle automatisch durch den Stallboden in den Keller, wo sie abläuft. Aus diesem Grund muss der Stall nur ein bis zweimal im Jahr komplett gereinigt werden.
Für einen Liter Milch erhält Ralf Klünter zurzeit 34 Cent, aber: Je mehr Fett und Eiweiß in der Milch ist, desto mehr Geld bekomme ich.
Wenn allerdings die Qualität der Milch hoch ist, bekommt er etwa drei bis vier Cent mehr pro Liter. Im Sommer ist weniger Fett in der Milch, dafür bekomme ich aber größere Mengen.
Letzten Winter hat er noch 42 Cent pro Liter erhalten. Eine Summe, mit der er und seine Familie gut leben konnten. Das war ein vernünftiger Preis, doch jetzt fehlen uns locker einige tausend Euro im Monat. Die Produktionskosten - eingerechnet sind Futter, Strom, Wasser, Dünger und Diesel - seien pro Liter Milch um sechs bis sieben Cent gestiegen. Jeder will mehr haben, nur wir Landwirte bekommen immer weniger.
Von der letzten Erhöhung des Milchpreises, die die Landwirte mit ihrem Streik erkämpft haben, sei bei ihm kein einziger Cent angekommen.
Nachdem Ralf Klünter und sein Vater die Kühe versorgt haben, wird erst einmal gefrühstückt. Dann müssen die anderen Arbeiten auf dem Hof erledigt werden. Zurzeit fährt die Landwirtsfamilie die Ernte ein. Wir müssen jetzt den Raps und den Winterweizen dreschen. Im September sei der Mais, der nur an die Kühe verfüttert werde, dran. Anschließend die Zuckerrüben. Doch mehrmals täglich müssen sie ihre vierbeinigen Schützlinge beobachten. Der Grund: Sobald eine Kuh in der Brunft ist, muss sofort der Besamer angerufen werden. Eine Besamung kostet zwischen fünf Euro bis oben offen, verrät der 42-Jährige. Aus einem Katalog sucht er sich den passenden Bullen aus.
Neun Monate ist eine Kuh trächtig. Zwar gibt sie auch während dieser Zeit Milch, doch sechs bis acht Wochen vor der Geburt wird das Tier trocken gestellt.
Tierarztkosten bis zu
1000 Euro im Monat
Im Laufe ihres Lebens geben Kühe, die im besten Fall einmal im Jahr besamt werden sollen, immer weniger Milch. Weitere Kosten, die monatlich anfallen, sind Tierarztrechnungen. Im Monat muss Klünter zwischen 600 und 1000 Euro für die tierärztliche Behandlung zahlen.
Täglich arbeitet der Landwirt etwa zwölf Stunden auf seinem Hof - mal mehr, mal etwas weniger. Unterstützt wird er dabei nicht nur von Vater Egon und Mutter Lenie, sondern auch von Ehefrau Bärbel und den beiden Kindern Monique und Henrik. Hier müssen alle mitanpacken, damit wir über die Runden kommen.