RUPPERATH – Die textilen, in Seide und Damast ausgeführten und mit feinster Klöppelspitze oder kunstvollen Stickereien gestalteten Kostbarkeiten sind Teile einer größeren Sammlung des im Kreis Euskirchen wohnhaften Ehepaars Edeltraud und Rolf Seepold. Zu ihrem außergewöhnlichen Hobby kam Edeltraud Seepold durch ihre Mutter, die als Konzertpianistin zahlreiche Kontakte zum Adel gehabt hatte, darunter auch nach Bad Ischl, wo bekanntlich die kaiserliche Familie Urlaub machte. Heute besitzt das Ehepaar Seepold hochsensible Unikate aus europäischen Fürstenhäusern. Einerseits sei sie schon in Kindertagen für die Schönheit dieser Textilien sensibilisiert worden, so Edeltraud Seepold, andererseits hätten die Kontakte sicher beim Zusammentragen der Sammlung geholfen. Seit den 50er Jahren beschäftigten seine Frau und er sich intensiv mit den fragilen Kostbarkeiten, erklärt Rolf Seepold. Sie würden gehegt und gepflegt, genössen in der Sammler-Familie fast schon einen Status ähnlich des von Reliquien. „Prunkstück“ der Sonderausstellung ist ein Taschentuch der französischen Dauphine Marie Therese. Sie war die Tochter Ludwigs XVI. und seiner Gattin Marie Antoinette. Die Prinzessin, die nach der französischen Revolution ins Ausland floh, hat es selbst gestickt und mit ihrem Monogramm MT versehen. Aus heutiger Sicht ebenso interessant ist ein Seidentuch mit floraler Blumenstickerei und Goldklöppelspitze aus dem Besitz des Earl Spencer (Familie der tödlich verunglückten Prinzessin Diana), Schloss Althorp, das als Dauerleihgabe in die Sammlung kam.
Ein weiteres Exponat entstammt dem österreichischen Kaiserhaus: feinstes Schleiergewebe mit Blumen- und Blattmotiven in Weißstickerei, das die spätere Kaiserin Elisabeth 1853 als Prinzessinnenbraut trug. Auch der Ärmelbesatz eines ihrer Kleider ist ausgestellt. Die feine, Mitte des 19. Jahrhunderts entstandene Stickerei zieren Blumenmotive wie Enzian und stammt noch aus „Sisis“ Possenhovener Zeit am Starnberger See gelegenes Schloss ihrer Familie). Aus dem Besitz der französischen Königin Marie Antoinette stammt ein Fächer (18. Jahr hundert): Das mit Perlmutter(Calciumcarbonat aus dem In nern einer Muschel) belegteGestell weist ein floralbesticktes Spitzenblatt auf. Alsköniglicher Besitz ist er durchihr Monogramm mit Königskrone erkennbar.
Weitere französische Stückesind ein Hochzeitstaschentusch, das als Monogramm ein „A“ samt Adelskrone aufweist.Feinste Durchbrucharbeitenund edle Valencienner Klöppelspitze machen es zur Kostbarkeit. Aus dem 19. Jahrhundert stammen erhalten gebliebene Manschetten und Kragen, die die Bourbonenlilie desfranzösischen Königshausesdieser Zeit aufweisen.
Das britische Königshaus istin der Ausstellung mit einergehäkelten Taufdecke des 19.Jahrhundert vertreten. Sieweist neben dem Wappen denhineingehäkelten Schriftzug„Dieu et mon droit“ auf.
Zwar nur von Hofbediensteten getragen wurde die roteSamthaube mit Goldfadenstickerei des späten 18. Jahrhunderts. Die Haube zierte eineKammerfrau, stammt aus demRheinland und ist – weil seltenerhalten geblieben – ein besonderes Stück. Zu Hause besäßen sie weitere Textilien, so auch ein Kleidder österreichischen KaiserinElisabeth, das aus Platzgründen hier nicht ausgestellt sei,erklärten die Sammler, aufdas „Sisi“-Museum in Pöckingam Starnberger See verweisend, wo ebenfalls Textiles derKaiserin ausgestellt sei.
