Viele Berufsgruppen müssen arbeiten, wenn andere feiern. Die Räder dürfen nicht stillstehen, Sicherheit und Versorgung müssen gewährleistet sein. Die Rundschau besuchte einige Menschen im Feiertagsdienst.
RHEIN-ERFT-KREIS. 14 Uhr. Schichtwechsel im Tagebau Hambach. Während sich die Frühschicht jetzt zur Bescherung auf den Heimweg macht, ist für die, die bis 22 Uhr übernehmen, Heiligabend gelaufen.
Pförtner Karl-Heinz Jischke bezieht seine Loge. Mit dem Kollegen, der die Nachtschicht übernimmt, hat er abgesprochen, dass der schon um 21.30 Uhr seinen Dienst antritt. Dann komme ich etwas früher nach Hause und kann mit meiner Familie noch ein wenig feiern, sagt der 51-Jährige. Da die beiden Kinder schon erwachsen seien, werde es dann trotz des Feiertagsdienstes noch ein gemütlicher Abend.
Die Männer um Schichtleiter Gernot Wolf, der die Verantwortung für acht Schaufelradbagger und ihre Belegschaften hat, nehmen es gelassen. Alle zwei bis drei Jahre trifft sie so ein Dienst zu Weihnachten oder Silvester. Wochen vor dem Fest haben wir gefragt, wer arbeiten kann. Die Leuten stimmen sich ab. Es gibt immer genug Freiwillige.
Normalerweise wird im Tagebau Hambach in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet. In diesem Jahr fällt die Nachschicht zum Ersten Weihnachtstag und zum Neujahrstag aus. Außer dem Pförtner schaut dann nur ein Notdienst nach dem Rechten.
Für Heiligabend hat Wolf eine etwas reduzierte Mannschaft in der Spätschicht. Zwei Bagger stehen still, deshalb reichen 30 statt 40 Männer. Schaufelradbagger 293 ist der Stolz der Belegschaft. Mit seinen 240 000 Tonnen Förderleistung pro Tag ist er das weltweit größte Gerät seiner Art. Für Gruppenleiter Wolfgang Beisicht und seine Leute auf dem Bagger ist es keine Frage: Wir können den Strom nicht abschalten.
Onorio Piras ist einer vom Team des 95 Meter hohen Monsters. Solange uns Frau Merkel den Feiertagszuschlag lässt, machen wir das, lacht er.
Familie richtet sich
nach dem Dienstplan
Die Bescherung mit seinen sieben und elf Jahre alten Kindern findet schon am Vormittag statt. Die Kinder vermissen den Vater dann zwar am Nachmittag, aber sie wissen genau warum: Papa fährt den größten Bagger der Welt, und der muss laufen. Und nächstes Jahr hat er ja dann wieder frei. Piras freut sich, dass er einen Arbeitsplatz hat und sieht den Feiertagsdienst mit Gleichmut: Wir müssen Kohle machen, sonst brennt der Baum nicht.
Werner Jonas (46) ist Polizeihauptkommissar. Am Heiligen Abend ist er ab 22 Uhr bis sieben Uhr am nächsten Morgen im Einsatz. Schlaf ist für diese Zeit nicht eingeplant. Jonas ist Dienstgruppenleiter und sorgt mit vier weiteren Kollegen für die Sicherheit in Hürth und Umgebung. Es ist schon einiges los in der Heiligen Nacht. Die hat es immer in sich, berichtet er.
Sein Weihnachtsdienst lässt gerade noch eine gemeinsame Bescherung zu, dann muss er sich auf den Weg machen. Doch seine Frau nimmt es gelassen: Schichtdienst ist kein Problem, wir kennen es ja auch gar nicht anders, meint Monika Jonas. Ihr Mann berichtet: Unter den Kollegen sehen wir schon zu, dass die mit kleinen Kindern zur Bescherung zu Hause sein können.
Während der Nachtschicht versuchen die Beamten ebenfalls, ein wenig Weihnachten zu feiern. Wir bauen dann ein Raclette auf. Das ist ganz praktisch. Man kann es immer wieder ein- und ausschalten, je nach Einsatzlage, so Jonas.
Pfleger Harry Neumann (35) arbeitet am Heiligen Abend in der Intensivstation des Dreifaltigkeits-Krankenhauses. Zu Hause warten Frau Stefanie und der zweijährige Sohn Janis auf ihn. Pfleger Harry übernimmt die Frühschicht, auch am ersten Weihnachtstag. Wenn man die Nachtwachen hat, dann geht einem wirklich viel Zeit von Weihnachten verloren, berichtet er, froh, diesmal die Frühschicht bekommen zu haben.
Den Baum hat er bereits am Freitag aufgestellt. Meine Familie und Freunde richten sich irgendwie nach meinem Dienstplan, sagt er.
Während der Schicht kommt selten weihnachtliche Stimmung auf: Wir sind eine Intensivstation, da gibt es für Besucher strikte Regelungen. Doch über Weihnachten versuchen wir, mehr zu öffnen.