Bleibt die Venenschwäche unbehandelt, kommt es nicht nur zu einer dauerhaften Wasseransammlung, dem Ödem, und „schweren Beinen“, sondern zum „offenen Bein“.
Ein Blick auf die Funktionsweise der Venen: Das verbrauchte Blut wird zurück zum Herz gepumpt, wo es wieder mit Sauerstoff angereichert wird – dabei sind besonders in den Beinen lange Wege entgegen der Schwerkraft zurückzulegen. Unterstützt werden die Venen vom Muskelapparat und den Venenklappen, die das Blut daran hindern, einfach zurück nach unten zu fließen. Gesunde Blutbahnen schaffen das. „Bei einer Schwäche der Venen schließen die Venenklappen jedoch nicht mehr“, erläutert Dr. Guido Löhr, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am Helios-Klinikum Berlin-Buch. „Dann ,versackt‘ das Blut in den Beinen.Zum einen müssen die noch funktionierenden Venen Mehrarbeit leisten, mit der Gefahr, dass auch hier die Klappen dann irgendwann nicht mehr schließen.
Zum anderen staut sich das Blut in den Beinen.“ Dann entsteht ein Ödem. „Bei länger bestehendem Blutstau treten Mineralsalze und Eiweiße in das Gewebe über. Die Schwellneigung verstärkt sich, das Gewebe verhärtet sich. Es entsteht jetzt eine strukturelle Schädigung, die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff und Nährstoffen sowie der Abtransport von Abfallstoffen funktionieren nicht mehr. Zellen sterben ab, das Gewebe verhärtet sich weiter“, führt Dr. Löhr aus. „Im Spätstadium treten Blutzellen ins Gewebe über. Das Eisen aus dem roten Blutfarbstoff wird nicht abtransportiert. Es reagiert mit dem Sauerstoff in den Zellen, Rost bildet sich, äußerlich sichtbar als zunehmende Braunverfärbung der Haut insbesondere an den Unterschenkeln. Kleine Verletzungen führen dann zu nicht abheilenden Geschwüren, dem „offenen Bein“.
Konservative Therapien
Wer Beschwerden wie schwere, geschwollene Beine, Krampfadern oder unschöne Besenreiser hat, sollte unbedingt zum Arzt. Denn es gibt viele Möglichkeiten, das Fortschreiten einer Venenschwäche einzudämmen, ohne gleich „unters Messer“ zu müssen. Dr. Löhr: „In sehr frühen Stadien, wenn die Venen in ihrer Funktion noch intakt sind und lediglich eine Schwellneigung der Beine und ein Schweregefühl auftritt, kann die Pumpleistung durch Stützstrümpfe unterstützt werden. Diese sind freiverkäuflich. Diese Maßnahme ist bei berufstätigen Menschen mit überwiegend stehender Tätigkeit und gehäuftem Auftreten von Venenschwäche in der Familie sicher sehr ratsam.“
Die Kompressions- strümpfe werden entsprechend der vorhandenen Schädigung nach Vermessen der Beine individuell ausgewählt. Falls auch schon das tiefe Venensystem geschädigt ist, muss eine entsprechend höhere Kompressionsklasse gewählt werden.
Wichtig ist die richtige LängeWenn diese medizinisch begründet verordnet wurden, sollten sie alle sechs Monate erneuert werden, weil die Kompressionskraft der Strümpfe dann durch das ständige Tragen und Waschen aufgebraucht wird.
Medizinische Kompressionsstrümpfe sind ein nächster Schritt. Physikalische Maßnahmen aus der Kneipp-Therapie, wie Tretbäder in knietiefem kaltem Wasser oder kalt-warme Wechselgüsse wirken ebenfalls gut und können ergänzend angewandt werden. Bei fortgeschrittenen Stauungen kann eine manuelle Lymphdrainage in Kombination mit einer Kompressionstherapie sehr hilfreich sein.“
Moderne OP-Methoden
Ist die Venenerkrankung schon weiter fortgeschritten, kommen Dr. Löhr zufolge verschiedene operative Therapien in Frage. „Hier stehen eine Reihe von modernen, minimalinvasiven Methoden, wie Schaumsklerosierung, endovenöser Verschluss der Venen durch Hochfrequenzstrom oder Laserlicht – nicht zu verwechseln mit der Lasertherapie bei sogenannten Besenreiser-Varizen –, aber auch die gezielte lokale Unterbindung von defekten Venenabschnitten zur Verfügung.
Darüber hinaus noch die klassischen Operationsmethoden, wie Unterbindung der Einmündung der oberflächlichen Leitvenen in das tiefe Venensystem („Crossektomie“) und die Entfernung der oberflächlichen Leitvenen in Teilen oder auf gesamter Länge, die klassische „Stripping Operation“ der Vene. Danach müssen zeitweise Kompressionsstrümpfe getragen werden, das ist Bestandteil der Behandlung.“ Welche Methode die richtige ist, wird individuell nach eingehender Untersuchung entschieden.