Odenthal – Ein wenig ängstlich schaut sie in dieTaschenlampe ihrer Retter:Solveig hat es geschafft. Gleichwird die trächtige Stute auf einer eigens für sie frei gebaggerten Rampe von der Feuerwehr nach oben gezogen undaus ihrer misslichen Lageknapp drei Meter unter derErdoberfläche befreit. Glückliches Ende einer dramatischen Rettungsaktion, die inder Nacht zu gestern DutzendeRetter und Helfer auf der Wiede eines Odenthaler Kinderreiterhofes in Atem hielt.
Ein Wiehern drangaus der Wiese nach oben
Am Montagabend hatte Ursula Wukasch plötzlich ihrenAugen nicht mehr getraut: Um18 Uhr sah sie ihre trächtigeStute Solveig (18) noch auf derKoppel direkt an ihrem Kinderreiterhof an SchlossOsenau – und zwei Stundenspäter war sie verschwunden.„Wir wollten sie füttern, dochsie war wie vom Erdboden verschluckt“, beschrieb die Reiterhof-Inhaberin die Lage,nicht ahnend, wie recht sie mitihrem ersten Gedanken behalten sollte.
Zusammen mit ihrer Tochter Anna machte sich die 56-Jährige auf die Suche, kontrollierte Tore und Zäune der Weide. „Ich dachte, sie wäre vielleicht ausgebüxt.“ Doch: KeineSpur von Solveig. Mehrfachliefen Ursula und Anna Wukasch, die mittlerweile vonmehreren Nachbarn undFreunden bei der Suche unterstützt wurden, über die Weide– keine Spur von Solveig.
Erst als sie am späten Abendnoch einmal mit BeistellpferdReika über die Koppel gingen,wurden sie fündig. Reika wieherte – und Solveig antwortete. Aus einem knapp drei Meter tiefen Hohlraum unter derErde. Die Öffnung war kaummehr als einen Quadratmetergroß. „Wahrscheinlich ist siemit der Hinterhand eingebrochen und dann in den Hohlraum hinuntergerutscht“, vermutet Besitzerin Ursula Wukasch. Hilflos stand sie amRand des unterirdischen Verlieses, in das ihr Tier gestürztwar. Im Licht der Taschenlampe konnte sie es tief unten sehen: „Es lag da in drei MeternTiefe eingekrümmt, wie eineKatze, die schläft.“ Ein Glück:Offenbar hatte sich das Tiernicht verletzt.
Die 56-Jährige alarmierte>Feuerwehr, Polizei und denPferdetierarzt. „Wir haben zuerst mit der Hand gegraben,damit der lose Rand an derEinbruchstelle nicht in dieGrube hinunterstürzt“, berichtete die Reiterhof-Besitzerin.
Mit Schaufeln trugen dieFeuerwehrleute das Erdreichab. „Zuerst haben wir überlegt,die Drehleiter von Burscheidnachzualarmieren, um dasPferd damit herauszuheben,aber es lag da unten zu sehreingezwängt“, sagteOdenthals stellvertretenderWehrleiter Gregor Lange, dermit 20 freiwilligen Feuerwehrleuten im Einsatz war. Um dasIslandpferd zu beruhigen, seilten die Wehrleute die Besitzerin und später den Tierarzt indie Grube hinunter.
Da das Tier mit seinen Beinen tief im Morast steckte undnicht einfach herausgezogenwerden konnte, holte Feuerwehrmann Thomas Nobisrath,im Hauptberuf Garten- undLandschaftsbauer, einen Minibagger und legte eine Rampebis zum Grund des Hohlraums frei.
„Unten haben wir die Beinedes Tieres ganz vorsichtig –wie ein Fossil – freigelegt“, soEinsatzleiter Gregor Lange.Gegen 2.30Uhr zogen er undseine Kollegen Solveig mit Hilfe von zwei B-Schläuchen, diesie um das Tier gelegt hatten,über die Rampe an die Erdoberfläche.
„Zur Überraschung von unsallen ist sie dann gleich aus eigener Kraft aufgestanden“,sagt der Feuerwehr-Einsatzleiter. Der Tierarzt untersuchte den Vierbeiner und stelltelaut Besitzerin fest, dass dieStute wohlauf war. Erschöpfttrabte das Islandpferd schließlich in den Stall, wo es bis5 Uhr von dem Tiermedizinerversorgt wurde.
„Es sieht alles sehr gut aus“,freute sich Besitzerin UrsulaWukasch gestern Morgen nachder turbulenten Nacht. In dennächsten ein bis zwei Wochensoll das Fohlen auf die Weltkommen. „Wir hoffen natürlich, dass es auch ihm gutgeht.“
Wie der Hohlraum unter derWiese entstehen konnte, wargestern noch unklar. Möglicherweise hat ein unterirdischer Wasserlauf die Wieseunterspült. Oder es war vielleicht ein unterirdischerSchutzraum aus dem Krieg, inden die Erde nachgerutscht ist,mutmaßte Ursula Wukasch.
