Dass er später mit den ganz Großen des Rock n Roll spielen würde, mit Randy Newman, Eric Clapton oder Lou Reed, konnte Klaus Voormann nicht ahnen, als er 1960 spaßeshalber für Rory Storm & the Hurricanes im Hamburger Kaiserkeller den Bass zupfte. Nichts deutete darauf hin, dass Schlagzeuger Ringo Starr oder die befreundete Band The Beatles große Karriere machen würden.
Ich war nach Hamburg gekommen, um Grafik zu studieren, sagt der 60-Jährige, der mit Pilzkopf-Erfinderin Astrid Kirchherr liiert war. Grafiker ist bis heute sein Beruf - aber die Musik war zwischendurch sein Lebensmittelpunkt. Schon öfter wird er als der fünfte Beatle bezeichnet - was er nicht gerne hört: So war es nie. Sein bekanntestes Werk hat er trotzdem für die Beatles gemacht: Das mit einem Grammy prämierte Cover der LP Revolver von 1966.
Zu jener Zeit war Voormann bereits eng befreundet mit der Liverpooler Band und selber Bassist von Manfred Mann s Earth Band. Der Auftrag, das Revolver-Cover zu gestalten, kam für Voormann überraschend. John Lennon rief mich an und fragte: Klaus, hast du vielleicht Lust, das Cover für unsere neue Platte zu machen? - und ich fiel aus allen Wolken, erinnert sich der gebürtige Berliner. Ich wusste erst gar nicht, was ich sagen sollte, zögerte, und John wurde schon stinkig. Aber so ein Angebot schlägt man natürlich nicht aus.
Diese Episode fiel in Voormanns Londoner Zeit. Ich hatte mein Leben lang Glück und konnte immer tun, was ich gern gemacht habe, sagt Voormann, der heute bei München lebt. Stets riefen die richtigen Leute zur richtigen Zeit an. An den Job am Manfred-Mann-Bass kam er über einen Kollegen aus der Agentur, als sich gerade herausgestellt hatte, dass seine Band Paddy, Klaus & Gibson nicht so recht funktionierte. Und so ein Anruf war es auch, der ihn 1969 zur Plastic Ono Band brachte, Lennons erstes Projekt nach den Beatles.
An den ersten und einzigen Auftritt der Band beim Live Peace in Toronto-Festival erinnert sich Voormann nur zu gut. John rief wieder an und sagte, er plane da ein Projekt. Ich habe natürlich zugesagt. Und dann ging alles superschnell. Die Plastic Ono Band fand sich im Flieger gen Kanada wieder - die allererste Chance, gemeinsam zu üben. Die zweite Probe fand in einer Umkleidekabine statt, unmittelbar vor dem Auftritt, wo die Band über einen einzigen Verstärker spielen musste. Es stellte sich heraus, dass John Lennon dachte, er solle als Zuhörer nach Toronto kommen, so Voormann. Als er erfuhr, dass er auftreten soll, wollte er erst nicht, aber Yoko Ono sagte: Lass uns da spielen, für unsere gute Sache.
Überhaupt Yoko Ono - wie steht der Deutsche zu der Frau an Lennons Seite? Ich habe noch Kontakt zu ihr. John hat diese Person dringend gebraucht, sie hat ihm Lebensmut gegeben. Obwohl er selbst wegen Ono zunächst Bedenken hatte, der Plastic Ono Band beizutreten. Ich habe mich erstmal vergewissert, dass wir nicht alle nackt auftreten müssen. Zu Paul McCartney hat er noch Kontakt. Er meldet sich ab und zu. Da kann aber auch mal ein Jahr dazwischen liegen. Von Ringo Starr hört er wenig. Getroffen haben sie sich zuletzt beim Gedenk-Konzert für George Harrison in der Royal Albert Hall - ein sehr sentimentales Wiedersehen.
Klaus Voormann bei Beckmann, heute, 23 Uhr, ARD.
Aus seinem Buch Warum spielst Du ,Imagine nicht auf dem weißen Klavier, John? (erscheint Mittwoch) liest Klaus Voormann am Do., 13.11., in Köln, Buchhaus Gonski, Am Neumarkt, und Fr., 14. 11., in Bonn, Buchhandlung Bouvier, Am Hof, je 20.30 Uhr.