WIPPERFÜRTH. Für Werner Stefer, Ortshistoriker in Wipperfeld, ist der Fall klar: „Fritz Hamel, in Wipperfürth auch ,Putscher genannt, war ein mehrfach behinderter Mann, der von seinen Mitbürgern nur verspottet wurde. Eine Statue von ihm wäre ein reines Spottdenkmal.“ Jonny Johnen, Inhaber der „Penne“ am Marktplatz, der die Idee für ein „Putscher“-Denkmal hatte, ist derselbe Fritz Hamel ein „ganz normaler Mann, der nicht behindert war“. Der habe nur entdeckt, „dass man auch ohne Arbeit durchs Leben kommen kann“. Da er ein Wipperfürther Original sei, sei es absolut richtig, ihm ein Denkmal zu setzen.
25 000 Euro
für das Denkmal
Das soll etwa 25 000 Euro kosten, die Johnen mit Hilfe des Heimat- und Geschichtsvereins sammeln will. Dessen Vorsitzender Erich Kahl unterstützt Johnen dabei, indem man hilft Spenden zu beschaffen. Nach Johnens Angaben sind bereits einige Spenden zusammengekommen, „eine Wipperfürther Bank tut schon 3000 Euro dabei“.
Was bleibt, ist die Frage, ob Fritz Hamel, der mit 84 Jahren in einem Heim starb und zu diesem Zeitpunkt bereits Jahrzehnte einen Vormund hatte, nun ein Behinderter war, der von den Wipperfürthern bei jeder sich bietenden Gelegenheit verspottet, gehänselt und gedemütigt wurde. Und ob es sinnvoll ist, ein solches „Verspottungsdenkmal“, wie Werner Stefer es nennt, aufzustellen, oder eben nicht. Stefer: „Fritz Hamel war weder ein Original noch eine Witzfigur, schon gar nicht ein begnadeter Komiker, sondern ein bedauernswerter, geistig schwer behinderter und kranker Mensch, arbeitsunfähig, hilflos, wehrlos, rastlos. Zeitlebens wurde er gejagt, verhöhnt und verspottet. Er wurde mit einem Stahlhelm durch die Stadt gejagt, oder man steckte ihm einem Wecker in die Tasche, der klingelte, als Herr Hamel im Gottesdienst war,“ zählt Werner Stefer auf, was er über Fritz Hamel herausfand.
Verachtende
Verspottung
Würde man ihm ein Denkmal setzen, wäre dies ein menschenverachtendes Verspottungsdenkmal, sagt Stefer. Er findet auch Unterstützung von vielen Seiten. So vom Leiter des Referates Behindertenseelsorge und vom Diözesanseelsorger für Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung beim Erzbistum in Köln. „Das vermeintliche Denkmal wäre eine nochmalige Verhöhnung eines zeitlebens schon tragisch verhöhnten Menschen“, schrieben die beiden Geistlichen an Stefer. Auch der Arbeitskreis für Belange behinderter Menschen - Ausschuss der Caritas St. Nikolaus Wipperfürth sieht das ähnlich, und viele andere Menschen, die Fritz Hamel kannten, wohl auch, so Stefer gegenüber der BLZ.
Kritisch sieht das Putscher-Denkmal Hans-Leo Kausemann, Ur-Wipperfürther, langjähriger Bürgermeister, Ehrenbürger der Stadt und früherer Landrat: „Ich unterstütze dieses Vorhaben nicht“, so Kausemann gegenüber der BLZ.
„Keinerlei
Behinderung“
„Der Putscher hat seine Späße mit den Leuten gemacht. Leider wurde er auch von den Leuten gehänselt, in jedem Fall ist er ein Original“, sagt dagegen Jonny Johnen über den Mann, den auch er noch selbst erlebte. Gegenüber einer Boulevardzeitung verglich er Hamel, der „sehr gut Trompete gespielt“ habe, sogar einmal mit dem begnadeten Komiker Karl Valentin. „Von einer Behinderung kann also nicht die Rede sein“, so Johnen gegenüber der BLZ. Hamel sei 1984 nach vieljährigem Aufenthalt in einem Altersheim in Köln gestorben, sagt Johnen. Allerdings, das Altersheim war das Alexianer-Krankenhaus, das eine Fachklinik für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie ist.
Viele Jahre
in Klinik
Erich Kahl, der Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, der in seinen jüngsten Vereinsnachrichten um Spenden für das Hamel-Denkmal wirbt, unterstützt die Idee von Gastwirt Johnen. Kahl betont, dass das Denkmal durchaus ein Anstoß sein könnte, über den Umgang mit Behinderten nachzudenken.
„Das Denkmal kann ein Zeugnis der Achtung und Sympathie für einen Mitbürger sein, dessen Persönlichkeit sich nicht auf das Behindertsein reduzieren lässt. In vielen Städten gibt es vergleichbare Denkmäler für so genannte Originale, die beim näheren Hinsehen zum größten Teil auch in mancherlei Hinsicht benachteiligt waren,“ äußert sich Erich Kahl.
Der Verein helfe dem Projekt, das 25 000 Euro kosten soll, dadurch, dass die Spender Spendenquittungen erhielten.
Auch erinnert Kahl daran, dass im Kolpinghaus am Markt viele Jahre lang eine kleine Putscher-Statue gestanden habe. Damals sei nicht unterstellt worden, man wolle Wipperfürther Behinderte beleidigen.
Jochem Claudi, der - wie schon sein Vater vor ihm - über viele Jahre lang Vormund von Fritz Hamel war, sieht ihn auch nicht als Behinderten. „Hamel ging in unserer Familie ein und aus, er machte Späße mit uns, wir mit ihm. Ich hatte das Gefühl, dass er die Späße brauchte“, erinnert sich Claudi gegenüber der BLZ.
Mehr noch, „das war ein Stück Lebenselixier für ihn“. Die Wipperfürther mochten ihn, hätten ihn zwar verspottet, aber trotzdem versorgt, sagt Claudi. Der Apotheker vergleicht Hamel mit den Kölner Gestalten Tünnes und Schääl, die seien auch Originale gewesen.