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Springer-Enkel schreibt BuchVerschwörungen im Verlagshaus

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Axel Sven Springer, Enkel des Verlagsgründers Axel Springer, aufgenommen am 20.04.2005 in Berlin. Der Springer-Enkel hat ein Buch über Erbstreit um den Verlag geschrieben.

Der Junge auf dem Foto ist nicht einmal 14, sieht aus wie ein "verheulter Frosch", wie er später sagt. Ein alter, starker Mann hält ihn im Arm. "Mein Großvater stützt mich, aber er scheint sich auch ein bisschen an mir festzuhalten. Zwei Taumelnde", erinnert sich Axel Sven Springer. Das Bild entstand 1980 bei der Beerdigung von Axel Svens Vater, Axel Springer junior, der sich Sven Simon nannte. "Er nahm sich das Leben, bevor ich ihm all die Fragen stellen konnte, die ein Sohn an seinen Vater hat", schreibt der Sohn über den Vater. Der alte Mann ist Axel Svens "Granddaddy", wie er ihn immer nennt, der Pressemogul Axel Cäsar Springer, der seinen 38-jährigen Sohn zu Grabe trägt.

Das ist das Dreigestirn, um das sich im emotionalsten Buch zu Axel Springers 100. Geburtstag, "Das neue Testament", alles dreht. Der Enkel, dem "Granddaddy" nach dem tragischen Tod von Sven Simon zum Vertrauten wurde, hat es geschrieben. Es ist ein merkwürdiges Buch: Kein süffiger Schlüssellochroman über das Innenleben des Verlags, keine Zeile über den Bildzeitungs-Journalismus, merkwürdige Unschärfen etwa bei der Beobachtung der immer mächtiger werdenden Springer-Witwe Friede. Und doch meint man sich im Auge des Zyklons zu befinden, bekommt einen Eindruck von Ränken und Verschwörungen, die im Haus Springer insbesondere nach dem Tode des Patriarchen 1985 tobten. Axel Sven Springers Lesart wird sich wohl fundamental von der offiziellen Springer-Linie unterscheiden.

Der Autor schreibt liebevoll über seinen Vater, den kreativen Fotografen Sven Simon, den Claus Jacobi, langjähriger Chefredakteur der "Welt", einen "Springer zum Anfassen" nannte und den Axel Sven Springer oft nur sporadisch sah - seine Eltern trennten sich als er vier war. So begrenzt die Zusammenkünfte auch waren, Sven Simon hinterließ einen starken Eindruck. Nach seinem Tod wuchs "Granddaddy", damals 67, in die Rolle des väterlichen Freundes, schrieb dem Enkel Briefe, ließ ihn an seinem mondänen Leben teilhaben. Ohne Frage hat dem Enkel das Alphatier Axel Cäsar imponiert. Umso schlimmer das, was nach Axel Svens mysteriöser, traumatischer Entführung aus dem Internat und dem Tod des Pressezaren im Jahr 1985 passierte. Folgt man der Argumentation Axel Sven Springers, geschah damals Unfassbares. Jahrelang hat er dagegen prozessiert - letztlich ohne Erfolg. Der Medien-Tycoon hatte ein 1983 verfasstes Testament hinterlassen, wonach Friede Springer 50 Prozent des Vermögens und der Anteile bekäme, seine Tochter Barbara und sein Enkel Axel Sven je 25 Prozent. Wenige Wochen vor dem Tod des Verlegers tauchte ein "Letzter Wille" auf, ein neues Testament wurde aber nicht verfasst. Der letztlich bindende "Letzte Wille" sprach Friede 70 Prozent zu, den leiblichen Kindern Nicolaus und Barbara je zehn, den Enkeln je fünf Prozent. Axel Sven Springer hat diese Wendung, die gleichzeitig auch den rasanten Aufstieg der Springer-Witwe beförderte, nie akzeptiert.

Rund um das fragwürdige Vermächtnis entspann sich etwas, was man als großes Verschwörungsdrama oder auch platter Intrigantenstadel sehen kann - und von der Presse-Konkurrenz genüsslich ausgeschlachtet wurde. Wir sehen eine graue Eminenz, Bernhard Servatius, geschickter Strippenzieher und mächtiger Testamentsvollstrecker. Wir sehen eine zurückhaltende, scheue Verlegerswitwe, die immer mehr Einfluss gewinnt. Chefredakteure kommen und gehen, im Aufsichtsrat wird intrigiert und gekungelt. Lesenswert sind die Kurzeischätzungen des Autors: Axel Springer: "einer der wohl untalentiertesten Familienmenschen, den man sich vorstellen kann"; Friede Springer:"die spröde Friesin, die Gärtnerstochter aus Föhr mit einfachem Schulabschluss"; Servatius: Über dem wohnte "aus der Binnensicht des Verlags also nur noch Gott - wenn überhaupt"; Claus Larrass: "ein großer Journalist, der so ganz anders war als viele seiner Kollegen"; Leo Kirch: "wahnsinnig charmant" und bescheiden; Mathias Döpfner, "eine Art Springer 2.0".