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Staatsanwalt fordert neun Jahre Haft

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Im Prozess gegen den 54-jährigen Baasemer, der sich wegen Totschlags vor dem Aachener Landgericht verantworten muss, wurden gestern die Plädoyers gehalten. Der Staatsanwalt forderte neun Jahre Haft, die Verteidigerin maximal fünf.

AACHEN / BAASEM. Staatsanwalt Jochen Käbisch hat wegen Totschlags eine Freiheitsstrafe von neun Jahren für den Angeklagten gefordert. Der 54 Jahre alte Krankenhausfotograf aus Baasem habe seine nebenher als Domina jobbende Frau durch einen Messerstich ins Herz getötet. Vorher habe er die 48-Jährige mit einem Nudelholz verletzt. Verteidigerin Karin Bölter wertete den Fall als minderschwer und forderte eine Maximalstrafe von fünf Jahren. Beide Seiten sprachen von einer „schwierigen Beziehungskonstellation“. Mal hätten die Eheleute Trennung und Scheidung gewollt, dann wieder nicht.

Der Angeklagte hatte die Tat vor Gericht gestanden. Nach 28 Ehejahren sei die Beziehung durch hohe Schulden, den Nebenjob der Krankenschwester und eine außereheliche Beziehung belastet gewesen. Die Frau hatte zuerst als Küsterin gejobbt, bevor sie als Prostituierte und später als Domina arbeitete. Kurz vor dem Geschehen hatte der Angeklagte einen Selbstmordversuch unternommen. Er musste stationär in einer psychiatrischen Abteilung behandelt werden. Laut Sachverständigengutachten war er zum Zeitpunkt der Tat aber voll schuldfähig. In seinem letzten Wort betonte er ein weiteres Mal: „Es tut mir furchtbar leid, wie alles geendet ist.“

Version nicht

zu widerlegen

Staatsanwalt Käbisch geht davon aus, dass es vor der Tat einen Streit gegeben habe. Die Version des Angeklagten sei nicht zu widerlegen. Demnach hätte es sich folgendermaßen zugetragen: Die Frau kam spät abends nach Hause - mit einem Blumenstrauß eines Kunden. Die Eheleute streiten. Der Mann nimmt Schlaftabletten, legt sich hin, findet aber keine Ruhe. Er steht auf, geht in die Küche, raucht. Sie provoziert ihn mit Themen über Rauchen und Alkohol. Nach 16 Jahren Abstinenz greift der Mann zur Wodkaflasche, trinkt. Sie greift ein Nudelholz. Er sagt so etwas wie: Leg das beiseite. Er will Kaminholz nachlegen, da rollt das Nudelholz heran. Sie macht ihm Vorwürfe, dass er sie in Swingerclubs mitgenommen habe und sie zur Prostituierten wurde. Dann stößt sie mit dem Fuß an seine Brille, die er abgelegt hatte.

Er verliert jede Fassung, greift das Nudelholz. Es gibt eine Verfolgungsjagd durchs Haus. Er schlägt ihr das Nudelholz mit voller Wucht auf den Kopf. Irgendwie ist plötzlich ein Messer da. Er sticht ihr gezielt in die Brust. Sie sinkt zusammen, sagt noch etwas, stirbt. Er ist schockiert, versucht sie zu verbinden, ruft verzweifelt die Polizei an und den Schwager, trinkt Wodka. „So kann es sich zugetragen haben“, sagte Käbisch.

Gleichwohl machte er deutlich, dass er vieles nicht glaube, was der Angeklagte vor Gericht vorgetragen hatte. Der Mann sehe sich eben gerne in der Opferrolle. Zeugen hatten vorher bestätigt, dass der Angeklagte seine Frau bewundert habe und ohne sie nicht leben konnte. Er habe alles für sie getan. Sie aber habe sein Festklammern als erdrückend empfunden und sich emotional von ihm gelöst. Bei den Zeugen hatte sich zunächst die Vorstellung gefestigt, dass der Mann seine Frau getötet hatte, als er gerade dabei war, Kuchen für sie zu backen.

Das Urteil will die Aachener Schwurgerichtskammer unter dem Vorsitz von Dr. Gerd Nohl am Freitag verkünden.