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StadtführerDralle Dirnen, böse Buben

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Das einstige Revier leichter Mädchen und wahrer Unterweltgrößen fasziniert Justus Hillebrand auch heute noch. (Foto: Schmülgen)

Wenn sich die Dämmerung langsam über den Stavenhof legt, sind sie plötzlich alle wieder da. Wasserstoffblonde Dirnen mit tiefen Dekolletees, muskelbepackte, goldbehängte Zuhälter im Pelzmantel wie „Schäfers Nas“ oder „Dummse Tünn“ und lüsterne Freier, die in den Fenstern die üppige „Auslage“ betrachten. Wenn Justus Hillebrand im Dunkeln durch die enge Gasse streift, braucht er nicht viel Fantasie, um das „Miljöh“ der 60er Jahre samt der Gangster und Ganoven auferstehen zu lassen.

Welch wildes Treiben damals in der schummrigen Gasse zwischen Eigelstein und Gereonswall herrschte, weiß der 23-jährige Stadtführer von „Stadtimpressionen Köln“ genau. Für seine selbst erarbeitete Führung hat der Geschichtsstudent alte Zeitungsartikel gewälzt, Fotografien zusammengesucht und mit einem Kriminalhauptkommissar außer Dienst gesprochen, der damals auf Fußstreife im berüchtigten Rotlichtviertel unterwegs war. „Nach einer turbulenten Nachtschicht war Josef Menth morgens schon Mal zum Kaffee bei den Dirnen“, erklärt Justus Hillebrand. Nach Einbruch der Dunkelheit ging es rund um den Eigelstein, wo sich die Kneipen und Kaschemmen dicht aneinander reihten, nicht nur mit den „leichten Mädchen“ ordentlich zur Sache. „Schlägereien und Randale waren hier alltäglich. Herr Menth sagte einmal: ,Einer ist am Ende durchs Fenster geflogen, entweder wir oder die “, verrät der Stadtführer und lässt seinen Blick durch die kopfsteingepflasterte Straße mit den hohen Häusern streifen. Dass der Stavenhof als eine der wenigen Gassen im Stadtbild seinen damaligen Charakter beibehalten hat, gefällt ihm besonders. „Der Charme von damals ist noch zu spüren“, findet er und deutet auf eingemeißelte Herzchen an der Gründerzeitfassade des Hauses Nr. 1. Vermutlich hatten die Zuhälter „ihren Mädchen“ das damalige Symbol der käuflichen Liebe neben die Fenster geritzt.

1972 war jedoch Schluss mit dem anrüchigen Treiben. Damals beschloss die Stadt einen Sperrbezirk und verbannte die „Wander-Amourantinnen“ ins eigens errichtete „Eros-Center“, das heutige Pascha.

Die nächste Führung durch das ehemalige „Miljöh“ startet morgen Abend um 19 Uhr an der Eigelsteintorburg. Die Teilnahme kostet acht, ermäßigt sechs Euro, eine Anmeldung ist nicht nötig.

stadtimpressionen-koeln.de