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Sterbende Frau wurde entlassen

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LINDLAR / BIELSTEIN. Schwerste Vorwürfe gegen das Herz-Jesu-Krankenhaus Lindlar erhebt der Bielsteiner Guido Börsch. Diese gipfeln darin, dass seine im Sterben liegende 86-jährige Mutter am Tag vor Heiligabend 2002 gegen seinen ausdrücklichen Willen aus dem Krankenhaus entlassen wurde. An Heiligabend wurde die alte Dame von ihrer Lindlarer Hausärztin erneut ins Krankenhaus eingewiesen. Diesmal brachte Börsch seine Mutter in das Kreiskrankenhaus Gummersbach, wo sie am 27. Dezember verstarb.

Neben diesem Vorgang äußert sich Guido Börsch in einem Brief an die Klinikleitung auch äußerst kritisch über die Pflegezustände auf der Station 1 A (Innere Abteilung).

Seine Mutter sei während ihres zweiwöchigen Aufenthaltes im Lindlarer Krankenhaus in einem schlechten Pflegezustand gewesen. So sei sie nicht gewaschen und körperlich versorgt worden. Aus ihren völlig durchnässten Beinverbänden sei Körperflüssigkeit gelaufen. Das Pflegepersonal sei zudem äußerst rüde und unfreundlich mit seiner Mutter umgegangen, schildert Börsch.

Als seine Mutter Heiligabend in Gummersbach eingeliefert worden sei, habe man dort kaum glauben wollen, dass die 86-Jährige nur einen Tag vorher aus einer Klinik entlassen worden sei.

Diese Entlassung, so heißt es in der Stellungnahme des Herz-Jesu-Krankenhauses Lindlar, die von Chefarzt Dr. Johannes Steiff unterzeichnet ist, sei auf „dringenden Wunsch“ der Familie Börsch erfolgt, weil die „Patientin ihr letztes Weihnachtsfest unbedingt im häuslichen Kreis verbringen“ solle. Diese Version von Dr. Steiff bezeichnet Börsch als „glatte Lüge“.

Die Hausärztin der alten Dame, Marga Pluntke, widerspricht der Version des Chefarztes ebenfalls energisch und bezeichnet sie als „empörend“. Sie selbst, so Pluntke, sei auf ausdrücklichen Wunsch von Guido Börsch ins Krankenhaus Lindlar gefahren und habe die anwesende Ärztin gebeten, Frau Börsch nicht zu entlassen, „da sie doch offensichtlich im Sterben liege und der Sohn überfordert sei“. Ihr sei geantwortet worden, „das sei nicht das Problem des Krankenhauses - das sei jetzt eine Pflegesache.“ Sie habe dann umgehend dem Sohn eine neue Krankenhaus-Einweisung ausgestellt.

Auch die von Börsch angeprangerten Missstände im Pflegedienst weist das Lindlarer Krankenhaus durch seinen Geschäftsführer Georg Scholl zurück: Die alte Frau sei sehr verwirrt gewesen, habe ihre Verbände selbst abgewickelt und sei durch ihre Verwirrtheit oft „bettflüchtig“ gewesen. Auch habe sie sich öfters nicht waschen lassen wollen. Außerdem, so das Herz-Jesu-Krankenhaus, habe Börsch einen vereinbarten Gesprächstermin nicht wahrgenommen. Auch dieser Version widerspricht Börsch.

Scholl kommt in seinem Brief an Börsch zu dem Fazit: „Die stationäre Behandlung Ihrer Mutter erfolgte korrekt.“ Der Klinik-Chef schränkt aber ein: „Die bestmögliche Versorgung wurde allerdings dahingehend erschwert, dass Ihre Mutter sehr verwirrt war“.

Während sich Marga Pluntke zu den Vorwürfen Börschs bezüglich der Pflege nicht äußern wollte, hat sie kein Verständnis, dass das Krankenhaus eine sterbende Frau entlassen hat. Sie selbst habe die alte Frau dort bei ihrem Besuch im sterbenden Zustand angetroffen, habe sie sogar vor dem Tod bewahrt, als sie drohte, an ihrem Erbrochenen zu ersticken.