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Stifter im VerborgenenDen Tod der Tochter verarbeiten

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Tochter Sonja lebt weiter in den Herzen von Winfried und Rosemarie Kill. (Bild: Daub)

Bergisch Gladbach – „Sie haben eine Tochter verloren, aber Hunderte Töchter hinzugewonnen.“ Das ist der schönste Trost, den Rosemarie und Winfried Kill sich wünschen können. In Kathmandu hat man das zu ihnen gesagt, im Mädchenwohnheim Maiti Nepal, das sie finanziert haben – ebenso wie andere Hilfsprojekte für Kinder in Not.

Und dennoch steigen den beiden Tränen in die Augen. Heute würde ihre Tochter Sonja 40 Jahre alt, die am 8. Juli 1993 tödlich verunglückt ist. Das Ölgemälde eines jungen, fröhlich lächelnden Mädchens hängt an der Wand, Fotografien zeigen einen brünetten Wildfang mit ihrem Lieblingspferd. „Sie war so fröhlich und voller Leben,“ erinnert sich Dr. Winfried Kill wehmütig. „Aber sie lebt weiter in all diesen Mädchen, denen wir heute helfen können. Das ist ganz in ihrem Sinne“ Um den Schmerz über den Verlust besser zu verarbeiten, hatte das Bensberger Unternehmerpaar 1993 die Sonja Kill Stiftung gegründet, die zunächst wohltätige Einrichtungen in der Region unterstützte. Davon zeugt zum Beispiel das Sonja-Kill-Haus in Bethanien für Mädchen, die dem Kinderdorf entwachsen sind und nicht wissen, wohin. Der Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer wird unterstützt, ebenso das Projekt „Kids & Co.“ für Kinder drogenabhängiger Eltern.

Aber eine Urlaubsreise nach Tibet verändert 1999 das Leben der Kills noch einmal. Beim Zwischenstopp in Kathmandu lernen sie die Mädchen von Maiti Nepal kennen, Kinder, die als Prostituierte nach Indien verschleppt wurden und jetzt, zerstört an Leib und Seele, ihr Gnadenbrot in unwürdigen Baracken fristen. „Wie diese Mädchen auf dem Boden lagen. So viel Elend kann man sich nicht vorstellen, wenn man es nicht selbst gesehen hat“, beschwört Winfried Kill die Erinnerung herauf. Und seine Frau ergänzt: „Da muss man einfach helfen, wenn man die finanziellen Möglichkeiten dazu hat.“ Heute ist Maiti Nepal ein soziales Vorzeigeprojekt in Nepal. In properen Häusern leben 400 Waisenkinder, 180 ehemalige Kinderprostituierte lernen einen Beruf, 400 Kinder besuchen Schule und Kindergarten. Mädchenscouts versuchen mit Hilfe der Polizei, die Verschleppung von Mädchen nach Indien an der Grenze zu verhindern.

Leiterin Anuradha Koirala ist inzwischen mehrfach für ihr soziales Engagement ausgezeichnet worden. Wenn Winfried und Rosemarie Kill zu Besuch kommen, ist das jedes Mal ein Fest. Die Kinder kochen Momos, mit Fleisch gefüllte Teigbällchen, und Rosemarie Kill ist gerührt: „Wenn ich die leuchtenden Augen der Kinder sehe, geht mir das Herz auf.“ Das gilt auch für die Absolventen des Colegio Sonja Kill in Rio de Janeiro, auf das Winfried Kill durch seinen Bruder Günter aufmerksam geworden ist. In der Schule können Kinder aus den Elendsvierteln ihren Abschluss bis zum Abitur machen. Rosemarie Kill hat „den unbändigen Stolz der Mütter“ erlebt, wenn ihre Kinder es schaffen; es ist wie eine Verheißung.

Im April nimmt das bisher größte Projekt der Sonja Kill Stiftung seine Arbeit auf, ein Kinderkrankenhaus in Kambodscha. Für rund acht Millionen Dollar baut die Stiftung den Campus im Süden des bettelarmen Landes. Als Erstes wird die Ambulanz eröffnet, später folgen Bettenhäuser, OP, Intensivstation und schließlich ein Geburtshaus. Projektkoordinator ist der Bensberger Betriebswirt Gereon Wagener, der sicher ist: „Dieses Vorzeigekrankenhaus wird für den medizinischen Standard im ganzen Land wegweisend sein.“ Betrieben wird es von der renommierten US-Organisation Hope worldwide; das Grundstück wurde vom König zur Verfügung gestellt.

Die Sonja Kill Stiftung ist ein „Familienunternehmen“, in dem viel Herzblut steckt. Neffe Winfried Kunz führt die Geschäfte, seit sich der Seniorchef aus gesundheitlichen Gründen 2008 aus dem operativen Geschäft der Stiftung und der von ihm in den 80er Jahren gegründeten Gladbacher Investment-Holding Indus AG zurückgezogen hat. Das Unternehmen ist immer noch erfolgreich in Gladbach ansässig.

Die Kill Stiftung wird in privatrechtlicher Trägerschaft aus dem Vermögen der Unternehmerfamilie und aus Spenden bestritten; bis dato sind über zehn Millionen Euro allein aus der Familie in die Projekte geflossen. „Das Engagement wird von der ganzen Familie getragen“, versichert Kunz, darunter Kills Bruder Günter. Sohn Jürgen betreibt in München eine Verlagsbuchhandlung.

„Jeder Cent, den wir einnehmen, fließt in die Stiftung“, betont Kunz. Verwaltung, Reisen, Extras bezahlt die Familie. Persönliche Kontrolle vor Ort ist Ehrensache; Kill entdeckte sogar einmal eine klammheimliche Müllentsorgung.

„Manchmal sagen Leute: Das ist doch angesichts der Not auf der Welt nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, ruft Rosemarie Kill kämpferisch: „Dann werde ich wütend. Denn jedes Kind, das Hilfe erhält, ist ein hundertprozentiger Erfolg.“