EFFELSBERG – Es hatte schon etwas von James Bond, als Dr. Alex Kraus in den riesigen Reflektor des Effelsberger Radioteleskops trat. Ohne Sonnenbrille, so der Stationsleiter, sei es selbst an einem bedeckten Tag unmöglich, die „Schüssel“ zu betreten.
Zwar war es den Besuchern des bundesweiten „Tages der Astronomie“ diesmal nicht vergönnt, das riesige Stahlbauwerk selbst zu betreten, doch Dr. Norbert Junkes, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit am Max-Planck-Institut für Radioastronomie, hatte für die Besucher dennoch eine beeindruckende Variante der Begehung im Angebot. Er zeigte einen 3 D-Film, in dem Dr. Kraus das Teleskop in schwindelerregender Höhe erklimmt. Rund 150 Besucher nahmen an dem virtuellen Rundgang, der zweimal im Besucher-Pavillon des Instituts angeboten wurde, teil. Zudem hatte Junkes fünf Vorträge vorbereitet, die das Radioteleskop und die Arbeit, die dort geleistet wird, beleuchteten. So brachte er den Besuchern etwa das Arbeitsfeld der Astrobiologie näher, die sich fernab von kleinen, grünen Männchen der Suche nach Leben im Universum widmet.
Er erklärte zudem, was das Effelsberger Radioteleskop überhaupt „sehen“ kann. „Rein optisch sehen wir Sterne“, erklärte Dr. Junkes den Blick des menschlichen Auges in den Himmel.Die Radiowellen, die das Teleskop empfange, mache jedoch „das Material zwischen den Sternen“ sichtbar – Gas- und Staubwolken sowie Überreste von explodierenden Sternen, sogenannten Supernovae.Somit ist gleichzeitig auch die Frage nach den Schwarzen Löchern, die dem Astrophysiker häufig gestellt wird, zu beantworten.
Bei der Explosion eines Sterns könnten sich die Überreste so stark verdichten, dass nicht einmal Licht nach außen dringe, so Junkes.Mit dem Effelsberger Radioteleskop, so Junkes, konnte sogar erstmals Wasser außerhalb der Milchstraße nachgewiesen werden. Ein wichtiger Forschungsbereich sei mittlerweile das Vermessen und Kartieren von Weltraumschrott geworden, der zunehmend zur Gefahr für die Satelliten werde.
Dabei arbeite das Radioteleskop mit dem Weltraum-Beobachtungsradar des Fraunhofer Instituts in Berkum zusammen. Während das Radar in Berkum Messstrahlung in den Weltall sendet, werden die reflektierten Strahlen in Effelsberg „aufgefangen“.400 Besucher genossen die Vorträge des Wissenschaftlers sowie die 3 D-Vorführungen.Dabei ging Junkes mit einer Gruppe chinesischer Besucher spontan auf Wanderschaft. Diese hatte nämlich geglaubt, dass es sich beim Vortrag, in dem der Astrophysiker die Planung für einen vierten astronomischen Themenweg rund ums Radioteleskop vorstellte, um eine Wanderung handelte. Kurzerhand machten sich Junkes mit den Besuchern aus Fernost auf Schusters Rappen zur Erkundung der Themenwege auf.
Thriller „Magma“spielt in Effelsberg
Übrigens: Auch wenn das Effelsberger Teleskop in Kino-Knüllern noch keine Rolle gespielt hat, ist es dennoch ein wichtiger Spielort in einem Wissenschafts-Thriller, weiß Junkes. In seinem 2007 erschienen Buch „Magma“ lässt Thomas Thiemeyer die Wissenschaftler in Effelsberg eine Supernova entdecken. Außerdem ist das Radioteleskop Spielort einer Kletteraktion.
www.radioteleskop-effelsberg.de
