Still und leise ist jetzt im Karneval ein Wechsel über die Bühne gegangen, der das Ende einer 25-jährigen Ära bedeutet: Matthes Dick (68) hat die Leitung seiner Band an seinen Neffen Frank Maubach (41) abgegeben. „Ich werde mich nicht abrupt zurückziehen“, sagt Matthes Dick, „aber ich wollte jetzt doch meine Nachfolge regeln. Die jungen Leute sollen an die Front.“ Der hochdekorierte Musiker - Bürgerorden der Stadt, Goldene Ostermann-Medaille, „Gold“ von Festkomitee und Bund Deutscher Karneval - will sich aber mehr seinen Hobbys Reiten, Angeln und Reisen mit seiner Frau widmen.
Das Spielen auf der Bühne war für ihn „Vergnügen“, Arbeit dagegen Organisation, Buchhalterei, Sorge um Notenmaterial, Garderobe und so fort. Bis zu vier Kapellen konnte Matthes Dick bestükken mit insgesamt rund 50 Musikern. Früher, sagt Kapellmeister Dick, war der Kölner Karneval ruhiger, gemütlicher. „Damit will ich nicht sagen, damals sei alles besser gewesen. Aber heute dominiert der Gesang, es gibt die vielen Gruppen. Früher hatte man mehr Redner und Zwiegespräche, Tanzgruppen mit ihren schnellen Tempi kannte man gar nicht.“ So hatte die Band früher 20 Mann Blaskapelle; heute sind für die modernen Arrangements auch Saxophon, Keyboard, E-Bass und E-Gitarre nötig.
Vor 40 Jahren trat Matthes Dick in die Band von Hardy von den Driesch ein und übernahm sie vor 25 Jahren nach dessen Tod als Chef - insgesamt eine lange Zeit, die viele Anekdoten bescherte. An eine Schrecksekunde kann sich der Kapellmeister besonders gut erinnern. Einmal durfte Dick die Kapelle leiten bei einer Sitzung mit dem großen Ferdi Leisten als Präsident. „Au, dat is schwer bei dem“, hieß es in Musikerkreisen. Leisten schlug ihm prompt vor, zu Beginn der Sitzung „Jedes Jahr im Karneval“ zu spielen. Matthes Dick brach der Schweiß aus: „Den Titel kannte ich gar nicht!“ Bis ihn Kollegen aufklärten, dass das die Anfangszeile des Liedes „Un da freut sich die Mama“ war.
Bei einem Auftritt von Wikky Junggeburth hatte der die Noten für die Kapelle vergessen - Matthes Dick und seine Mannen begleiteten ihn trotzdem, und im Saal hat's keiner gemerkt. „Davon spricht der Wicky heute noch“, sagt der Altmeister.
Frank Maubach hat von seinem Opa Matthias, Leiter der Werkskapelle von Rhein-Braun, das Trompetenspiel gelernt und spielte schon als Zehnjähriger bei von den Driesch im Rosenmontagszug mit. Auch bei Matthes Dick wirkte Maubach fleißig mit. Von Beruf ist er Schlosser an der Uni; seine Mutter hatte darauf bestanden, dass er noch ein zweites „solides“ berufliches Standbein haben sollte. In den letzten 20 Jahren hat sich das Hobby Musik bei ihm so sehr ausgebreitet - er spielt auf Schützenfesten, Hochzeiten, Tanzveranstaltungen und vielem mehr -, dass es wohl bald zum Hauptberuf wird. Gerade auch seine neue Tanzkapelle mit Sängerin Barbara Spieß ist gut angelaufen.
Vieles, was er von seinem Onkel Matthes Dick übernommen hat, wird er beibehalten, eines hat er schon geändert: Seine Kapelle spielt Marschmusik genauso wie Swing und Dixie, und sie arbeitet mit Gesang. „Die Räuber zum Beispiel haben wir mit dem Swing-Titel ,Brasil auf die Bühne geholt. Die Leute haben sich kaputtgelacht, aber begeistert mitgeklatscht.“