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„The Art of Pop Video“Tauchen in Bilderfluten

3 min

KÖLN - Ein Schlagzeug steht im Walde, ganz still und stumm. Dann knallen ins Vogelgezwitscher Schüsse, und die Kugeln „spielen“ das Instrument, während sie es zu Schrott zersieben. „Shot Through“ heißt dieser etwas andere Clip von Tom Dale, der in der geplanten Kölner Schau (9. April bis 3. Juli) gewiss ein aparter Grenzfall ist.

Doch keine Bange, auf 1000 Quadratmetern im Museum für Angewandte Kunst (MAK) sind natürlich auch Genre-Meilensteine mit Björk, Madonna und Michael Jackson präsent. Die anfangs als flach gescholtenen Musikvideos gelten - man denke nur an „Thriller“ - längst als Jungbrunnen der visuellen Kultur, erzählen sie doch ganze Kinogeschichten in zweieinhalb Minuten und erhöhen so unser Wahrnehmungstempo. Eine eigene Schau in der Schau trägt außerdem der Tatsache Rechnung, dass zunehmend auch bildende Künstler das Medium entdecken. Wolfgang Tillmans etwa illustriert einen Song der Pet Shop Boys: mit herumhuschenden Ratten, die sich zwischen Bahngleisen Futter suchen.

Eigener Monitor für jedes Video

Für MAK-Gastgeberin Petra Hesse ist diese Koproduktion mit Televisor die größte Schau des Jahres, thematisch an Art Cologne und c / o pop angedockt und großzügig gefördert. Dem Kölner Kulturdezernenten Georg Quander gefällt, dass hier Impulse aus der freien Szene in eine Museumsausstellung münden, Norbert Kühn sieht die regionalen Interessen des Landschaftsverbands Rheinland bestens bedient. Für die NRW-Landesregierung rühmte Filmreferentin Ruth Schiffer dieses Projekt „an den Schnittstellen der Künste“, und SK-Kulturstiftungs-Geschäftsführer Hans-Georg Bögner erklärte, warum die Sparkasse KölnBonn hierfür gern Mittel aus ihrem Fonds für freie Kultur gibt.

Quander glaubt, dass angesichts des radikalen Kurswechsels beim früheren Musikvideo-Vorreiter MTV ein Überblick über die Kunstform überfällig ist. Man hält also den Bilderfluss an und versucht, einen Kanon der stilbildenden Arbeiten zu präsentieren. Jedes der rund 100 ausgewählten Videos bekommt wie ein Gemälde seinen eigenen Rahmen, sprich: Bildschirm (plus Kopfhörer), einige werden per Beamer projiziert.

Das Konzept tüftelten Michael P. Aust (Leiter SoundTrack Cologne), Bonns Videonale-Chef Georg Elben und Filmexperte Daniel Kothenschulte aus. Für letzteren ist das gute Musikvideo „ein verzauberter Moment“. YouTube hat hier neue Räume aufgestoßen, so dass Radiohead ihren Song „House of Cards“ etwa nicht mit klassischen Videobildern, sondern per Scanner untermalen und dem Betrachter sogar interaktive Eingriffe ins Bild ermöglichen.

Bezüge zwischen Musikvideo und Kinofilm sind angesichts von Arbeiten profilierter Regisseure (Spike Jonze, Michel Gondry, Jonathan Glazer) offenkundig, und wie man mit bildender Kunst umgehen kann, zeigt der gestrige Gast Michael Kren: Der Österreicher drehte ein witziges Video für die Band Zoot Woman, auf dem Bilder von Pieter Breughel und Hieronymus Bosch laufen lernen: Plötzlich brausen die Figuren per Fahrrad oder bunt bemaltem Kleinbus durchs Spätmittelalter.