HARPERSCHEID – „Ich dachte, es wäre vorbei“, so die Pferdeliebhaberin. Doch ihr Alptraum geht weiter. Seit Mai 2009 gibt es immer wieder Attacken gegen das Harperscheider Gestüt Windrose. Eine Stute wurde mit einem Messer schwer verletzt. Auch ein Fohlen wurde im Oktober Opfer einer Messerattacke. Im November 2009 dann wurde ein Haflinger mit abgeschnittenem Ohr und abgetrennten Haaren tot auf einer Weide gefunden. Zudem werden laut Slottke immer wieder Halfter und Zaumzeuge zerschnitten.
„Eine Zeit lang war Ruhe, doch seit Mai diesen Jahres geht es wieder los“, so Slottke. Sie geht davon aus, dass es „jemand auf sie abgesehen hat“. Trotz installierter Videoüberwachung, aufmerksamer Nachbarn und alarmierter Polizei wurden wieder Halfter zerschnitten. Mitte Juli gab es erneut eine Attacke auf ein Pferd. „Ausgerechnet auf ein Fohlen, das kurz vorher bei der Fohlenschau in Enzen mit einer Goldmedaille prämiert wurde“, so Slottke.
Im Gegensatz zu den bisherigen Vorfällen habe das Tier diesmal keine Schnitt-, sondern eine Schlagverletzung. „Die Wunde ging bis auf den Knochen“, sagte Slottke, die immer noch über die Brutalität schockiert ist. Die aktuellen Attacken trügen eine andere Handschrift, so ihre Beobachtung. Die Verletzungen der Tiere seien andere, auch die Schnitte an den Halftern seien diesmal weniger präzise ausgeführt. „Im vergangenen Jahr wurden die Schnitte sauber mit einem scharfen Messer durchgeführt“, sagt die Züchterin. Diesmal seien die Schnittkanten an den Halftern ausgefranst.
Die jüngste Attacke auf ein Pferd traf nun das Hengst-Fohlen „Florett AS“. „Ich wollte es einer Kundin zeigen, die es kaufen wollte“, so Slottke. Da haben wir bemerkt, dass es die Schnittwunde am Bein hatte. Das war am Dienstag. Die Kundin kaufte natürlich nicht - auch wenn der Vater des Fohlens der bekannten Dressurreiterin Isabell Werth gehört, die immerhin mehrfache Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin ist.
So hat die Tierquälerei auch eine wirtschaftliche Komponente. Schließlich sei so ein Fohlen mehrere Zehntausend Euro wert. „Ich gehe derzeit am Limit - körperlich und finanziell“, sagt Adrienne Slottke. Sie schlafe keine Nacht mehr, sondern wache nur vor den Bildschirmen ihrer Überwachungskameras. „Irgendwann wollte ich mir mal wieder eine Nacht im Bett gönnen. Ich habe es mir frisch bezogen und darin geschlafen“, sagt die Harperscheiderin. Was für andere die normalste Sache der Welt ist, hört sich bei Slottke an wie die Sehnsucht nach einem Urlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel. Doch es ist ihr nicht vergönnt. Denn just in dieser Nacht seien gleich wieder Halfter zerschnitten worden.
Also schiebt sie wieder Nacht für Nacht Wache, fertig angezogen und mit dem Handy in der Nähe, um sofort die Polizei rufen und reagieren zu können. Die Tiere auf ihren Weiden kann sie natürlich auch mit ihren Überwachungskameras nicht im Blick behalten. Im Stall kann sie sie aber auch nicht immer lassen.
Wie lange sie das - auch finanziell - noch durchstehen kann, weiß sie nicht. „Ich habe schon mal darüber nachgedacht, wegzuziehen“, sagt Adrienne Slottke. „Doch dann hat der, der es auf mich abgesehen hat, gewonnen.“ Eine Mischung aus Trotz, Trauer, und Resignation schwingt in ihrer Stimme mit.
