Köln – Der gewaltsame Tod einer ehemaligen Rektorin des Erich-Kästner-Gymnasiums hat an der Schule in Niehl große Bestürzung ausgelöst. „Ihr Schicksal berührt mich sehr. Ich habe sie als eine offene, freundliche und herzliche Kollegin in Erinnerung“, betonte Schulleiter Dieter Schütze-Sladek. Auch die Lehrerschaft sei „in höchstem Maße betroffen“. In Gedenken an die 68-Jährige wird die Schule am 24. September einen Gedenkgottesdienst in der Kirche St. Clemens an der Friedrich-Karl-Straße abhalten. Eingeladen zu dem Gottesdienst sind die Lehrer und ehemalige Kollegen der Erich-Kästner-Schule und die Lehrkräfte, die die 68-Jährige noch aus der Zeit kannten, als sie an der Genoveva-Schule in Mülheim als Lehrerin arbeitete.
Die Gedenkfeier sei in Absprache mit dem Ehemann getroffen worden, teilte Schütze-Sladek mit. Auch andere Mitmenschen, die die 68-Jährige kannten, seien dazu willkommen.
Motive völlig unklar
Unterdessen wurden neue Details der Tat in der Dordogne bekannt. Im Verhör gab der 56-jährige Tatverdächtige an, dass er die Leichenteile der Frau in Plastiksäcken in einem Tümpel versenken wollte - doch dies misslang. Anschließend versteckte der Beschuldigte die zerstückelte Leiche am Rande eines Maisfeldes.
Die Behörden kamen dem 56-Jährigen auf die Schliche, weil Zeugen zur fraglichen Tatzeit seinen Renault auf dem Weg von Faux nach Lanquais gesehen hatten. Diesen Wanderweg ging die ehemalige Kölnerin seit Jahren in Richtung ihres Lieblingsrestaurants. Von ihrem Haus ging die Frau am 10. September um 11.15 Uhr los. Als die 68-Jährige um 13.45 Uhr noch immer nicht in dem Lokal war, rief der Ehemann die Polizei. Die Gendarmerie fand gegen 17 Uhr am Rande des Weges den Hut der Frau, ihre Sonnenbrille und Blutspuren.
Französische Medien berichten, dass der Verdächtige sich in den Verhören sehr aufgeregt verhalten habe und nach langen Befragungen die Bluttat gestanden habe. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor. Über das Motiv und die Hintergründe machte der als verschlossen und emotionslos geltende Mann keine Angaben. Der 56-Jährige schwieg auch darüber, wie Schmuck der Frau in die Scheune des Landwirtes geriet. Das Ergebnis der zehnstündigen Obduktion soll in dieser Woche vorliegen. Eine normale Obduktion dauert rund drei Stunden.
Der mutmaßliche Mörder ist in dem Ort gut bekannt. „Er war im Gemeinderat. Ein beherzter Mann, der bis zur Rente in einer Sprengstofffabrik gearbeitet hat und dann den Hof der Familie übernahm“, sagte der Bürgermeister der Kreisstadt Verdon. Ein wenig zurückhaltend sei er immer gewesen, ein Mensch, der anderen nicht leicht sein Vertrauen geschenkt habe. Vermutlich kannte das Opfer seinen Mörder. „Die beiden sind sich bei einem deutschen Essen, das sie organisiert hat, begegnet“, erinnert sich der Bürgermeister der Nachbargemeinde Saint-Agne. Das brutale Verbrechen sei ihm völlig unverständlich: „So etwas hätten wir bei uns nicht erwartet“. (mit dpa)
