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Tragödie auf dem Sportplatz

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BERGISCH GLADBACH-HAND. „Ich habe meinen Sohn erschossen. Aber es war ein Unfall. Welcher Vater erschießt schon seinen Sohn?“ Mehr als diese drei Sätze konnten die Ermittler der Kölner Mordkommission dem 39-jährigen Gladbacher nicht entlocken, doch zusammen mit den übrigen Ermittlungsergebnissen reichte das für einen Haftbefehl. Wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, schickte ein Richter den türkischstämmigen Vater von vier Kindern hinter Gitter, und zwar wegen des Verdachts des versuchten Totschlags, der fahrlässigen Tötung und des Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Wie in einem Teil der Auflage bereits berichtet, war die Polizei am Donnerstagabend darüber unterrichtet worden, dass am Rande des Sportplatzes von Blau-Weiß-Hand ein Schuss gefallen sei. Doch kam für den 16-jährigen Fatih jede Hilfe zu spät: Der Schuss, der ihn in den Kopf getroffen hatte, war tödlich.

Noch am Abend nahmen Mordkommission und Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf - und konnten bereits gestern den mutmaßlichen Tathergang rekonstruieren. Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Alf Willwacher soll der Vater vor einiger Zeit als Kneipier in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein, in deren Verlauf ihm mehrere Rippen gebrochen wurden. Während es gegen zwei der Täter, die ihn verletzt hatten, Strafverfahren gegeben habe, sei der dritte „ungeschoren davongekommen“. Mit diesem dritten Mann habe sich der Vater für Donnerstagsabend zur Aussprache verabredet und auch gleich seine 15 und 16 Jahre alten Söhne mitgebracht.

Auf dem Sportplatz sei die Situation eskaliert: Sechs bis acht Männer standen im Kreis, die Söhne links und rechts von dem Kontrahenten. Plötzlich, so Willwacher, habe der Vater eine Pistole aus dem Hosenbund gezogen, durchgeladen und auf den Kontrahenten gezielt. Der reagierte, indem er die Waffe zur Seite schlug. Dabei habe sich der tödliche Schuss gelöst.

Unklar ist für die Ermittler, wo sich die frühere Auseinandersetzung zwischen dem Todesschützen und seinem Kontrahenten ereignet haben soll. Bislang verfügen die Behörden laut Willwacher über keine Erkenntnisse, dass der Mann legal als Gastronom gearbeitet habe: „Das schließt aber illegale Aktivitäten nicht aus.“

An der Paffrather Gesamtschule reagierten die Mitschüler von Fatih gestern entsetzt auf die Todesnachricht. An normalen Unterricht war nicht zu denken. Einige pilgerten an den Tatort, legten Blumen nieder und entzündeten Grablichter. Der junge Mann, der wie seine drei jüngeren Geschwister gebürtiger Gladbacher und Deutscher war, galt als sehr beliebt - sowohl bei seinen Schulkameraden als auch bei den Nachbarn.

Er hatte gerade die zehnte Klasse geschafft und wollte nun die Oberstufe besuchen.