FLAMERSHEIM. Er war in einer schwierigen Phase der Bundeswehr der höchste Soldat in Deutschland. Gleichzeitig war Dieter Wellershoff fest in die evangelische Kirchengemeinde Flamersheim eingebunden. Gestern fand die Trauerfeier für den ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr, Admiral a. D. Wellershoff, statt, der nicht nur in der Bundeswehr, sondern auch in Flamersheim deutliche Spuren hinterlassen hat.
Der verstorbene Admiral, der am Freitag vergangener Woche nach einer Herzoperation nicht aus der Narkose erwachte, war ein tiefgläubiger Mensch, der immer wieder Kraft aus dem Glauben schöpfte, wie die evangelische Pfarrerin Christina Fersing in ihrer Traueransprache verdeutlichte. Noch vor wenigen Tagen habe Wellershoff ihr im persönlichen Gespräch den Wunsch mitgeteilt, man möge anlässlich seiner Trauerfeier kraftvolle Choräle voll der Freude und der Zuversicht singen. Der Mann, der selbst Jugendlichen im Ort als der Admiral, der auf der Burg lebt, bekannt war, habe als Soldat Frieden und Versöhnung als Grundlage seiner Arbeit gesehen. Privat sei der Verstorbene von Vergebung und Gnade geprägt gewesen.
Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan würdigte seinen Amtsvorgänger Dieter Wellershoff als liebenswerten, gütigen und weisen Mitmenschen und Kameraden, vor dem sich die Bundeswehr in Ehrfurcht verneige. Der Admiral habe als Generalinspekteur der Bundeswehr die Wiedervereinigung der Streitkräfte erlebt und entscheidend geprägt. Er sei maßgeblich verantwortlich für die Weiterentwicklung des politischen Sicherheitsdenkens gewesen. Seine messerscharfen Analysen habe er besonnen und freundlich, aber unmissverständlich vorgetragen.
Den Gottesdienst in der Kirche umrahmte der evangelische Kirchenchor unter Leitung von Christa Zimmermann. Generalvikar a.D. Dr. Ernst Niermann nahm die Aussegnung vor.
Wellershoff, 1933 in Dortmund geboren, war nach dem niedergeschlagenen Ungarnaufstand im Jahre 1957 in die Marine eingetreten, durchlief nach unterschiedlichen Verwendungen 1967 bis 1969 die Admiralstabsausbildung, kommandierte dann den Zerstörer Hessen, wurde 1981 Kommandeur der Führungsakademie der Bundeswehr, 1984 stellvertetender Inspekteur der Marine, danach Marine-Inspekteur, bevor er von 1986 bis 1991 Generalinspekteur der Bundeswehr wurde.
Eine große Trauergemeinde, darunter auch Amtsvorgänger de Maizière, nahmen Abschied von Dieter Wellershoff. Vor der Stephanus-Kirche hatte eine Ehrenformation der Bundeswehr Aufstellung genommen, das Musikkorps der Bundeswehr umrahmte das militärische Abschiedszeremoniell, bei dem der Sarg an der gesenkten Truppenfahne vorbeigetragen wurde.