METTERNICH – Er begegnet vielen Leuten, und die offenbaren ihm freimütig ihre Gefühlswelt: Der Metternicher Willy Peter Müller ist Traumdeuter. Müller entschlüsselt vielen Menschen die Bedeutung ihrer Träume. Er greift dabei nicht auf irgendwelche Zauberei, Hexenkunst oder Scharlatanerie zurück, sondern orientiert sich vor allem an der Analytischen Psychologie, die der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung begründet hat.
Schon 20000 Träume anderer gedeutet
Der 66-Jährige beschäftigt sich seit mehr als 35 Jahren mit Traumdeutung und hat nach eigenen Angaben schon mehr als 20 000 Träume gedeutet. „Träume, das ist Bildersprache, die aus dem Unterbewusstsein kommt“, sagt Müller, der keineswegs den Eindruck eines Menschen macht, der in Glaskugeln schaut oder Wahrsagerei betreibt.
Müller war früher Leiter einer Volkshochschule, bevor er begann, freiberuflich zu arbeiten. Seitdem hält er Vorträge über philosophische und psychologische Themen wie beispielsweise über Nahtod-Erlebnisse, über Buddhismus, Hinduismus und das Karma, über Hildegard von Bingen oder darüber, wie man Träume versteht und wissenschaftlich deutet. „Die Mehrzahl der Träume sind Verarbeitungsträume“, sagt Müller. Das, was der Mensch gerade erlebt hat, werde nachts verarbeitet.
Müller hat gerade zwei Bücher im Drachenmond-Verlag veröffentlicht. In einem erklärt er die Bedeutung der „Traumsymbole“. Wer etwa von Fremden träumt, der fürchtet sich möglicherweise vor Einbrechern, wer von Elefanten träumt, dem begegnet im Traum das Symbol der Weisheit. Im anderen beschreibt er, wie man Träume versteht.
„Seit ich etwa 30 Jahre alt bin, hat mich die Tiefe der Trauminformationen nicht mehr losgelassen“, sagt Müller, der Philosophie, Tiefenpsychologie und Symbolkunde studiert hat. „Träume informieren darüber, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Träume sind aber auch Angst abbauend, sinnstiftend. Sie helfen, seelische Wunden verarbeiten und ertragen zu können“, sagt der Mann, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Träumen beschäftigt und sich jeden Morgen auch selbst an mehrere seiner Träume erinnert. Doch seine eigenen Träume deutet er nicht selbst, denn „ich kenne mich zu gut und ich bin mir gegenüber natürlich parteiisch“, so Müller.
Weil der Mensch etwa ein Drittel seines Lebens schlafend verbringe, seien Träume ein ganz wichtiger Bestandteil des Lebens. Denn dann entkoppele sich das Unterbewusstsein. Das Gehirn entwickele im Traum zusätzliche Sinne, der Mensch „fliege durch Zeit und Raum“.
Natürlich, so Müller, müsse man die Fähigkeit trainieren, sich an seine Träume zu erinnern. Diese Fähigkeit lasse sich durch jahrelange Übung steigern. Es sei ganz wichtig, nach dem Aufwachen die Augen zunächst noch ein wenig geschlossen zu halten. „Licht ist der Feind des Traumes“, sagt der Traumdeuter aus Metternich. Und fährt fort: „Ich pflege auch die alte Familientradition, mit meinen Angehörigen am Frühstückstisch die Träume auszutauschen. Erzählen, austauschen und zuhören ist bereits ein Teil der Therapie.“
Müller hält Träume, ganz im Gegensatz zu dem großen Traumdeuter Sigmund Freud, für eine aktuelle Bestandsaufnahme, die im Bewusstsein des Menschen fehle. Müller hat festgestellt, dass sich Träume durch ganze Generationen einer Familie ziehen können und „vererbt“ werden.
Träume, so Müller abschließend, „sind Wahrheit. Und die Wahrheit heilt. Das ist grundsätzlich meine Ansicht.“