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Trauriges Ende einer Suche

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BONN. Ein Strauß gelber Frühlingsblumen steht in einer Vase auf dem den Faulbehälter umgebenden Hügel in der Bonner Kläranlage Salierweg. Es ist ein Zeichen der Trauer der Mitarbeiter um ihre 42 Jahre alte Kollegin, die hier ums Leben kam. Deren Leiche wurde gestern Mittag, knapp 48 Stunden nach dem tragischen Unfall, geborgen: Aus einem Nachfaulbehälter, in dem selbst die erfahrenen Experten den Körper nicht vermutet hätten. „Wir haben vor zwei Tagen versprochen, wir würden bei unserer Suche auch den unwahrscheinlichsten Möglichkeiten nachgehen“, so Feuerwehr-Einsatzleiter Günter Schatzl. „Dies war eine der unwahrscheinlichsten Möglichkeiten.“

Mittwochabend, gegen 22.30 Uhr. Die Rettungstaucher sind längst wieder abgezogen, als Schichtmeister Klaus Wagner mit einer Taschenlampe noch einmal in den kleinen Nachfaulbehälter leuchtet. Hier erkennt er im stark aufgeschäumten Klärschlamm die Umrisse eines Körpers. Dessen Bergung gestaltet sich allerdings sehr schwierig, weil in dem Behälter, der als Zwischenlager der Schlämme zwischen Faulung und Verbrennung dient, explosive Gase entstehen. Mithilfe eines Tauchers und eines Krans gelingt es mehr als zwölf Stunden später schließlich, die Leiche durch die nur zwei Meter breite Öffnung des Behälters zu bergen. Der Körper war zwischenzeitlich wieder im Schlamm versunken. Dass er überhaupt entdeckt wurde - reiner Zufall.

Dienstagmittag ist der Klärmeisterin, die als erfahren und besonnen galt, bei einer Routinekontrolle vermutlich schwindlig geworden. Sie stürzt kopfüber in einen Schacht oberhalb des riesigen Hauptfaulbehälters. Ihr Kollege sieht nur noch ihre Beine verschwinden. Nun geschieht das Unfassbare: Der 9200 Kubikmeter fassende Hauptfaulbehälter wird zur Inbetriebnahme in diesem Moment weiter aufgefüllt, während der Nachfaulbehälter nur gering befüllt ist. Dadurch entsteht im Rohrsystem des Schachts vermutlich ein so enormer Unterdruck, dass die Frau in ein nur 30 Zentimeter dickes Rohr gesogen wird. Durch das verwinkelte Rohrsystem, dass an manchen Stellen nur noch einen Durchmesser von 25 Zentimetern hat, gelangt der Körper über eine Strecke von rund 120 Metern schließlich in 20 Meter Tiefe in den Nachfaulbehälter.

Betroffenheit und Müdigkeit ist an diesem Morgen in die Gesichter der Klärwerksmitarbeiter geschrieben. Sie alle haben in den vergangenen 48 Stunden fast ohne Pause nach ihrer verunglückten Kollegin gesucht. Für die Kontrollen auf dem Faulbehälter lassen sie sich jetzt jeweils anseilen. Kriminalpolizei und Arbeitsschutz ermitteln weiter.