Köln – Im Augenblick scheint das alles weit weg: Klimaanlagen ausverkauft. Durchzug sinnlos. Der Ventilator verteilt nur die stickige Luft und macht einen steifen Nacken. Eine tropische Nacht in Köln. Die nächsten kommen bestimmt.
Tropische Nächte sind nach der Definition solche, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. In denen auch morgens um vier keine Kühle ins Haus weht. In den 80er Jahren gab es davon im Schnitt pro Sommer etwa fünf oder sechs. Heute sind es schon deutlich mehr, in wenigen Jahrzehnten werden es mehr als 20 sein. Und das gilt nur für die Randgebiete der Stadt - in der Innenstadt wird es noch viel schlimmer.
Schon heute gibt es, wie kürzlich berichtet, zwischen City und Umland Temperaturunterschiede bis zu acht Grad. Der Klimawandel, das zeigt die Untersuchung des Deutschen Wetterdienstes im Projekt „Köln 21“, wird den Effekt noch verschärfen. Dabei gehört die Kölner Bucht ohnehin zu den wärmsten Regionen in Deutschland. Will die Stadt ihre Lebensqualität erhalten, muss sie gegensteuern. Aber wie?
Wichtig ist die Frischluftzufuhr aus der Umgebung. Aber: „Schon heute ist die Stadt in den äußeren Bereichen so stark gekammert, dass die so genannten Flurwinde gar nicht bis in die Innenstadt kommen“, sagt Christian Hartwig vom Umweltamt. Der Kaltluftabfluss aus der Ville oder vom Bergischen Höhenrand könnte in Köln für Erleichterung sorgen, wird aber schon durch geringe Bebauung gebremst, weil diese Strömung sehr langsam ist. Größere Bedeutung hat aber der so genannte Rheintalwind, der vom Siebengebirge her kommt, parallel zum Rhein strömt und viel mächtiger ist als etwa der Zufluss von der Ville. Nur: Den meisten Einwohnern nützt das wenig.
Auch Parks in der Stadt bilden Ausnahmen in der großen Wärmeinsel. „Da kann die Temperatur schon bis zu zehn Grad niedriger sein als in der Straße nebenan“, sagt Hartwig. Allerdings reicht der Effekt nicht weit - wer ungetrübten Schlaf sucht, müsste sich schon direkt auf die Wiese legen. Dennoch: Je mehr Grün in der Stadt, desto besser. Klimaexperten sagen, mindestens ein Viertel der Fläche sollte bepflanzt sein. In Köln ist das durchaus gegeben, aber vieles davon liegt in Außenbereichen. Auch das hilft in der Innenstadt kaum.
Die Politik in Köln ist sich grundsätzlich einig darüber, dass beim Klimaschutz mehr passieren muss. Ein Konzept dafür soll 2011 vorliegen, allerdings wird es nur Maßnahmen zur Minderung von Treibhausgasen, nicht aber zur Anpassung an das Unvermeidliche enthalten. Grüne, SPD und FDP sprechen sich ausdrücklich gegen weitere Neubaugebiete aus, wenn sie die Frischluftzufuhr zusätzlich hemmen - wie geschehen in Widdersdorf, wie befürchtet in Marsdorf, wenn dort der Großmarkt errichtet wird.
Ein positiver Ansatz ist die Begrünung von Dächern und Fassaden. Pflanzen nehmen 70 bis 100 Prozent der Niederschläge auf und geben sie wieder an die Stadtluft ab. Die höhere Luftfeuchtigkeit hilft bei der Abkühlung. Allerdings ist es bisher oft schwierig, private Hausbesitzer vom Sinn dieser Investition zu überzeugen.
Dass sich inzwischen verstärkt Architekten und Bauplaner Gedanken über das Problem machen, hat seinen Grund: Das Mikroklima wird zunehmend zu einem Kriterium der Wohnungswahl werden. Nicht von ungefähr hat das „Haus der Architektur“ zusammen mit dem Katalyse-Institut einen offenen Dialog in Gang gesetzt, der einen „grünen Masterplan“ für die Stadt zum Ziel hat. „Wie sollen Freiräume aussehen? Wie soll der Verkehr aussehen?“, beschreibt Svend Ulmer vom Katalyse-Institut die zentralen Fragen.
Aber man darf sich keine Illusionen machen: Die Möglichkeiten, die Folgen der weiteren Erwärmung zu mildern, sind begrenzt. „Man kann einige Maßnahmen ergreifen, aber man muss sich ein Stück weit auch damit arrangieren“, sagt Christian Hartwig vom Umweltamt. Vor allem Alte und Kranke leiden unter der angestauten Hitze. Deshalb, meint Hartwig, „muss man sich überlegen, ob man in Zukunft noch ein Altenheim in die Innenstadt bauen kann“.