SWISTTAL – Vier eifrige Entlastungszeugen schafften es nicht, den Rheinbacher Richter von der Unschuld eines Baggerfahrers zu überzeugen. Im Prozess wegen Trunkenheit am Steuer hatte der 37-jährige Peter (Name geändert) behauptet, er habe in jener Nacht des 22. Oktober zwar mit seinen Freunden „tierisch getrunken“, aber mit dem Auto sei er dann morgens gegen 5.30 Uhr nicht selbst von Bornheim nach Swisttal zurückgefahren. Am Steuer habe der Bruder seines Freundes gesessen, der stocknüchtern gewesen sei. Und das bestätigten mit unschuldiger Miene auch der angebliche Fahrer, dessen Ehefrau, die Lebensgefährtin des Angeklagten und ein Nachbar.
Vielleicht wäre die Rechnung des um seinen Führerschein bangenden Berufskraftfahrers sogar aufgegangen, hätte ihm nicht ein aufmerksamer Angestellter des Auswärtigen Amts die Tour vermasselt. Zufällig war der 26-Jährige hinter dem „in gefährlichen Schlangenlinien kurvenden Auto“ hergefahren - und wegen der Auffälligkeiten dann bis zu Haus drangeblieben, wo er die Polizei alarmierte. Der Zeuge, ohne zu zögern: „Der Angeklagte selbst war definitiv der Fahrer. Und in dem Auto saß auch kein zweiter Mann drin. Ich war vier Jahre als Soldat in Afghanistan. Da lernt man, auf alles genau zu achten.“
Er habe den Fahrer des Autos überhaupt nicht erkennen können, meldete sich daraufhin der engagierte Verteidiger zu Wort. Der Wagen des Angeklagten habe nämlich getönte, undurchsichtigen Scheiben. Da fackelte der Richter nicht lange, als er erfuhr, dass der Wagen auf dem Gerichtsparkplatz stand. Kurzerhand ordnete er einen Ortstermin an. Und dabei wurde zum Kummer des Anwalts festgestellt, dass „der Fahrer aus einer Entfernung von zwei bis drei Metern gut erkennbar war“. Nun drohen den vier Zeugen, die die Aussage des Angeklagten bestätigt hatten, Ermittlungsverfahren wegen Falschaussage vor Gericht. Und darauf steht Haft nicht unter drei Monaten. Der Angeklagte selbst kam dagegen wegen vorsätzlicher Trunkenheit am Steuer (1,8 Promille) mit einer Geldstrafe in Höhe von 500 Euro davon. Weit schmerzlicher für ihn: Der Führerschein wurde ihm für insgesamt neun Monate entzogen. Die Staatsanwältin klar und deutlich: „Dass er vier Zeugen in die Falschaussage getrieben hat, das macht mich sauer.“