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„Tumbling Woman“Der unerträgliche Sprung in den Tod

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Ein nicht auszuhaltender Anblick war die Skulptur „Tambling Woman“ für die New Yorker. Jetzt ist sie in Hürth zu sehen.

HÜRTH. Der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York ist auch auf die Kunstszene nicht ohne Auswirkungen geblieben. Der amerikanische Künstler Eric Fischl hat unter dem Eindruck der Ereignisse die Werkreihe „Ten Breaths“ geschaffen, eine Serie von Aquarellen und Plastiken, die stürzende oder abgestürzte Personen zeigen.

Dazu gehörte auch die Skulptur „Tumbling Woman“. Die Darstellung einer nackten Frau im freien Fall sollte an all diejenigen erinnern, die am 11. September 2001 aus dem brennenden Gebäude in den Tod sprangen. Als sie 2002 im Rockefeller-Center ausgestellt wurde, löste sie bei den New Yorkern allerdings große Empörung aus: zu direkt, zu schonungslos, zu unsensibel erschien ihnen das Kunstwerk, das wenig später mit einer Plane zugedeckt wurde, weil man den Anblick nicht ertragen konnte. Ein 2007 entstandener Bronzeguss von „Tumbling Woman“ ist jetzt zum Gedenken an den Terrorakt vor zehn Jahren in der Böhm-Chapel ausgestellt.

In der ehemaligen Kirche St. Ursula, die der Kölner Galerist Rafael Jablonka zum vielbeachteten Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst umfunktioniert hat, weit entfernt vom Ort des schrecklichen Geschehens, entfaltet die Figur eine andere, überzeitliche Aura. Exakt in der Mitte des kreisförmige Innenraums, der von einer zeltförmigen Kuppel überspannt wird, ist die Skulptur platziert, ganz so, als sei sie vom Himmel gefallen. Die naturalistische Darstellung, das Muskelspiel der gestreckten Glieder und die Spannung, die von ihr ausgeht, lässt den Einfluss klassischer Bildhauer wie Auguste Rodin spüren. Ihm fühlt sich Eric Fischl (Jg. 1948) verwandt, der mit Bildern von Nackten im prüden Amerika zum Star wurde.

Die taumelnde Figur mit ihrer verdrehten Körperhaltung und der expressiven Gestik verweist auf die Verletzlichkeit des Menschen. In der Böhm-Chapel erreicht sie eine unerwartet starke Symbolkraft und wirkt fast wie ein Mahnmal. Eric Fischl hat sich trotz der Widerstände, die ihm bei „Ten Breaths“ entgegenschlugen, auch weiterhin mit Gewalt und Chaos beschäftigt, indem er etwa die Verwüstungen des Hurrikans Katrina künstlerisch aufarbeitete.

Die Ausstellung in der Böhm-Chapel, Hans-Böckler-Str. 170 in Hürth-Kalscheuren, dauert bis zum 13. November. Geöffnet ist samstags und sonntags von 11-16 Uhr, ab Oktober von 11-14 Uhr.