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Über 10000 Totenzettel im Netz

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FRECHEN / PULHEIM. Vor einem Jahr hat der Verein für Geschichte in Pulheim damit begonnen, eine Totenzettelsammlung ins Netz zu stellen. Im Juni 2005 schloss sich der Frechener Geschichtsverein diesem Projekt an.

In diesen Tagen nun hat die Zahl der mit Text und Bild ins Netz gestellten Totenzettel die Zehntausender-Marke überschritten. Somit dürfen die Geschichtsvereine jetzt von einer einzigartigen Sammlung sprechen, die sie jedem Nutzer daheim am eigenen Computer zum Forschen und Stöbern anbieten. Eine für die Sammlung von der Agentur Linssen entwickelte Suchmaschine erlaubt vielfältige Recherchemöglichkeiten.

Zum Hintergrund: Der Brauch, Totenzettel in Umlauf zu bringen, hat seinen Ursprung in klösterlichen Gebetsverbrüderungen. Seit dem 17. Jahrhundert sind die ältesten Totenzettel im großbürgerlichen und wenig später auch im großbäuerlichen Raum zu finden.

Der älteste Zettel

ist aus dem Jahr 1663

Der älteste weltweit bisher bekannte Totenzettel in der Sammlung gehört zu der Nonne Katharina Balchem und datiert aus dem Jahr 1663. Gefunden wurde er im Januar diesen Jahres in St. Ulrich in Frechen-Bachem. Der älteste bäuerliche Totenzettel ist der von „Franciscus Koch, Zeit Lebens gewesener Halbwinner des Rittersitz Destorff“. Gemeint ist Desdorf bei Elsdorf. Koch starb 1759. Er ist ein Vorfahr in weiblichen Linien der Familie Pingen in Widdersdorf und Freimersdorf.

Noch vor 20 Jahren, schreibt Josef Wißkirchen, der Initiator der Totenzettel-Sammlung, war es selbstverständlich, dass es Totenzettel zu einem katholischen Begräbnis gab. Seitdem verschwinden sie mehr und mehr auch aus dem katholischen Raum. In früheren Zeiten enthielten die kleinen Schriftstücke nicht nur die persönlichen Lebensdaten eines verstorbenen Menschen, sondern auch seine Vita und eine Würdigung seiner Person. Das macht besonders die alten Totenzettel nicht nur familiengeschichtlich, sondern auch sozial- und alltagsgeschichtlich zu einer wertvollen Quelle.

Wißkirchen und sein Frechener Mitstreiter Ulrich Jaskulski hoffen,dass sich weitere Geschichtsvereine im Rhein-Erft-Kreis ihrem Vorhaben anschließen, die Totenzettel zu bewahren und der Öffentlichkeit zu erschließen.

Josef Wißkirchen hält am Dienstag, 7. März, 20 Uhr, im katholischen Pfarrzentrum Pulheim, Hackenbroicher Straße 7, einen Lichtbildervortrag über die religions- und kulturgeschichtlichen Hintergründe des Totenzettelbrauchs. (uw)

www.vfg-pulheim.de