GEMÜND. Ich bin ja sonst eher rechtsrheinisch für das rheinische Missionswerk unterwegs, begrüßte Kabarettist Konrad Beikircher die Zuhörer im vollen Gemünder Kursaal. Mit dem achten Teil seiner Trilogie Zwischen Himmel un Ääd ist Beikircher deutschlandweit auf Tour. So verriet er, dass er als einer von sieben Bonnern überhaupt Abonnent des Express sei und diesen jeden Morgen schlaftrunken vor der Tür hole: Dann guck ich mir dat Mädchen des Tages an, wenn ich Glück habe, geht dann auch mein zweites Auge auf.
Fortan führte Beikircher, mal flüsternd, mal eindringlich warnend und mal lauthals jubelnd, dem Publikum die Tricks und Kniffe der rheinischen Sprachkultur vor Augen, die seiner Meinung nach weit über allen anderen deutschsprachigen Paralleluniversen thront. Denn wie in allem ist der Rheinländer an sich auch in seiner Sprache mehr als präziss, er is akkerat. Akkerat sinn heiß, flexibel präziss sinn!
Als gebürtiger Tiroler selbst Immi im Rheinland gewesen, gab Beikircher einen Überblick über die gröbsten Pannen, die dem Immi passieren können. So ist das Schlimmste, was Immis tun können, so zu tun als wie wenn se echte Rheinländer wären. Denn den rheinischen Pronomina können Nicht-Eingeweihte niemals gewachsen sein, wie Beikircher beim Exkurs in die Welt rheinischer Fürwörter deutlich machte. In Hochdeutsch ist der Einzige schon der Superlativ, im Rheinischen fängt der Superlativ da gerade erst an. Danach kommen der Einzigste, der Allereinzigste und der Einzigste überhaupt.
Köstlicher
Feldsalat
Die Hoffnung, dass Bielefelder diese Feinheiten verstünden, habe er längst aufgegeben, so Beikircher, der die Ostwestfalen an diesem Abend fast so gerne aufs Korn nahm wie Düsseldorfer. Der Kölner säht: Ming Kölsch, ding Kölsch, usser Kölsch oder denne ihr Kölsch. Obwohl, denne ihr Kölsch is eigentlich Alt.
Immer wieder nahm Beikircher abseits des rheinischen Sprachunterrichts kleine Anekdoten mit. Über die unglaubliche Anzahl schwäbischer Vokale, die er mit urkomischen Gesichtsverzerrungen demonstrierte, plauderte Beikircher über Adenauers Zäpchen-G, die Römerzeit (Die Älteren unter ihnen werden sich noch erinnern!) und seine jugendlichen Beichterlebnisse bei einem schwerhörigen Franziskaner-Pater.
Letztendlich landete er wieder bei der rheinischen Sprache, die ja die einzigste ist, wo der Zuhörer entscheidet, was er gehört hat. Dies musste Beikircher selbst feststellen, als er als Student in Bonn mit seiner Zimmerwirtin Frieda Münch (Sie war robust untersetzt - oder vierkant gestaucht!) zusammentraf, die ihn mit Bönnsche Platt empfing und ihm den Spitznamen Schweinekopp verpasste. Doch das Schlimmste war ihr Feldsalat: Zwiebeln, Kondensmilch, Essig und Zucker, bah, erinnert sich Beikircher an diese Köstlichkeit, die er zum Anlass genommen hat, mit seiner Frau das Kochbuch Und? Schmecket? zu schreiben. Dabei hat Beikircher festgestellt, wie lange es doch immer dauert, bis Wasser endlich kocht: Wenn man jeden Tag ein Mal kocht, verbringt man letztendlich anderthalb Jahre seines Lebens damit, auf kochendes Wasser zu warten!
Warten auf eine Zugabe mussten die Besucher in Gemünd nicht lange, vor allen Dingen, da Schleidens Bürgermeister Ralf Hergarten, nachdem er Beikircher ein Nationalparkschwein und Nationalparktee überreicht hatte, bei diesem ein gutes Wort für das Publikum einlegte.