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Unterm Kreuz kochte der Bürgerzorn

GROSSBÜLLESHEIM. Immer wieder kochten die Emotionen hoch bei den rund 400 Bürgern, die sich zu einer Informationsveranstaltung in der St. Michael-Kirche in Großbüllesheim eingefunden hatten. Schon vor der Kirchenpforte standen Vertreter der Bürgerinitiative gegen die geplante Recyclinganlage im Euskirchener Industriepark am Silberberg (IPAS) mit Transparenten und verteilten Flugblätter. Die Kirche war an diesem Abend mit so vielen Menschen gefüllt, wie Pastor Peter Berg sie selbst an hohen Feiertagen kaum sieht.

Weil schon bei einer ersten Info-Veranstaltung am Sonntag das Pfarrheim aus allen Nähten geplatzt war, hatte er kurzentschlossen das Gotteshaus für die Versammlung zur Verfügung gestellt. Und die Bürger machten an diesem Abend von ihrem Fragerecht ausgiebig Gebrauch. Dabei zeigte sich, dass gerade die Bürgerinitiative sehr intensiv recherchiert hatte.

Da wurden das Prognosegutachten der Firma „Innovative Metal Recycling“ (IMR) auseinandergepflückt und die Unbedenklichkeit eines solchen Betriebs in Frage gestellt. Letztendlich kreisten die teilweis erbost vorgetragenen Bürgerfragen immer wieder um ein Thema: Warum hat sich die Stadt Euskirchen nicht einen solchen Betrieb vor Ort angesehen, bevor sie in Verkaufsverhandlungen trat? Und warum hat die Stadt, wenn sie schon von den Schwierigkeiten der Firma IMR wegen einer derartigen, in Monheim geplanten Anlage gehört hatte, sich nicht erkundigt, worum es da tatsächlich ging?

Auch die CDU-Stadtverordneten Gero Schmidt und Klaus Voussem, die zu dieser Bürgerversammlung eingeladen hatten, mussten sich fragen lassen, warum die Politiker nicht früher das Projekt und die Firma unter die Lupe genommen haben. Und wie sie den Verkauf des Grundstückes durch alle Ausschüsse winken konnten, ohne bei der Verwaltung nachzuhaken.

Noch empörter zeigten sich die Bürger allerdings, dass die Stadt so spät über die geplante Ansiedlung von IMR informiert hatte. Und zwar weder die Bürger, noch die im IPAS ansässigen Firmen, wie sich gestern in einer Pressekonferenz der Grünen herausstellte. Obwohl Ende Mai ein Unternehmerstammtisch mit diesen Firmen und Vertretern der Stadt stattfand und die Vorlage des Planungsausschusses für den möglichen Grundstücksverkauf bereits am 25. Mai vorlag, hatte man die Firmen über das Vorhaben nicht informiert.

Friedl: „Kaufvertrag noch

gar nicht unterschrieben“

In der Bürgerversammlung kam auch der Diplom-Ökologe Klaus Koch vom Umweltnetzwerk zu Wort, der extra aus Hamburg angereist war und nach eigenen Angaben schon seit 20 Jahren Bürgerinitiativen unterstützt und auch Gutachten erstellt. Er bestritt nicht die im Prognosegutachten der Firma IMR dargestellte ökologische Unbedenklichkeit, sondern machte auch der Stadt Vorwürfe ob deren Vorgehensweise.

Bürgermeister Friedl wurde an diesem Abend von den Bürgern mächtig in die Mangel genommen. Er versuchte, die Gemüter zu beruhigen, indem er erklärte, der Kaufvertrag mit IMR sei ja von der Stadt noch nicht einmal unterschrieben. Und er werde dies auch nur, wenn die im Vertrag angegebenen Grenzwerte des IMR-Gutachtens der Prüfung nach Bundesimmissionsschutzgesetz Stand hielten.