ELSDORF. „Der Betrieb bleibt, wie er ist, nur ich werde ausgewechselt“, sagt Hans-Josef Schneider. Mitte Dezember hat er seine Firma, die Bäckerei Schneider GmbH, seit 1901 im Familienbesitz, an drei ehemalige leitende Angestellte der Bäckerkette Kamps verkauft. Am 1. Januar haben Willi Kühne, André Kunkel und Jörg Aprath die Geschäftsführung der Ladenkette übernommen.
Der alte Chef ist aber noch immer fast jeden Tag im Betrieb, um seinen Nachfolgern mit Rat und Tat den Einstieg zu erleichtern und sie zum Beispiel mit Geschäftskunden bekannt zu machen. Seine Tochter Ulrike Vroegop arbeitet auch weiterhin im Betrieb mit. Hans-Josef Schneider hat seine Firma verkauft, weil nach dem Tod seines Sohnes Rolf vor drei Jahren kein Nachfolger mehr da war.
„Außerdem bin ich jetzt 66 Jahre alt“, sagt Hans-Josef Schneider. „Ich habe 51 Jahre ununterbrochen gearbeitet, fast immer ohne Urlaub, deshalb ist es jetzt an der Zeit, zur Ruhe gekommen.“ Der Verkauf sei ihm deshalb nicht schwer gefallen.
„Ich habe zum Glück drei junge und kompetente Unternehmer kennengelernt, bei denen der Betrieb in guten Händen ist“, sagt Hans-Josef Schneider. „Alle Mitarbeiter sind übernommen worden, die Zukunft ist gesichert.“
Willi Kühne, André Kunkel und Jörg Aprath waren bei Kamps leitende Angestellte. Kühne war nationaler Produktionsleiter, Kunkel Vertriebsleiter und Aprath kaufmännischer Geschäftsführer. Sie haben bei Kamps selbst gekündigt, um sich mit einer eigenen, gemeinschaftlich geführten Filialkette selbstständig zu machen. „Mit Kamps haben wir nichts mehr zu tun.“
„Wir haben uns 2006 nach einem interessanten Unternehmen umgesehen, aber nicht viel gefunden“, sagt Kühne. „Wir wollten einen gut geführten Betrieb kaufen, keinen Sanierungsfall.“ Er und seine Mitstreiter sind sich sicher, mit der Bäckerei Schneider ein „Goldstück“ gefunden zu haben. Die neuen Geschäftsführer wollen allerdings nur in der Region zwischen Köln, Aachen und Düsseldorf expandieren. Drei bis fünf neue Filialen pro Jahr wollen sie gründen, die meisten mit Sitzplatzcafé. Der Name „Bäcker Schneider“ soll als Markenname erhalten bleiben.
Das Unternehmen hat zurzeit 27 Filialen zwischen Köln und Jülich und 196 Mitarbeiter. Fast alle Filialen haben neben dem Backwarenverkauf ein Sitzplatzcafé. Ungewöhnlich hoch ist die Zahl der Auszubildenden, mit 18 Azubis ist das ein Anteil von fast zehn Prozent der Belegschaft. „Das wollen wir in Zukunft weiter so halten, wir betrachten es als unsere Pflicht“, sagen die neuen Geschäftsführer.
Die Bäckerei Schneider war 1901 in Etzweiler, das dem Tagebau Hambach weichen musste, von der Familie Schneider gegründet worden. 1951 machte sich Josef Schneider als Bäcker im Elsdorfer Mausweg selbstständig, angeschlossen war damals ein Lebensmittelgeschäft. Die Bäckerei vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. Hans-Josef Schneider übernahm den Betrieb 1968. 20 Jahre später zog die Bäckerei in das Elsdorfer Gewerbegebiet, weil der Betrieb im Mausweg „aus allen Nähten platzte“.