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Unterricht mit Herz und Verstand

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BONN. Alljährlich findet im ganzen Land für die besten Musikschüler eine kleine Olympiade statt, genannt „Jugend musiziert". Da die Kinder und Jugendlichen den sportlichen Aspekt beim Musizieren lieben und sich gerne messen, nahmen auch in diesem Jahr aus Bonn und Umgebung zahlreiche junge Instrumentalisten und Sänger teil.

Wie all die Jahre zuvor, hat auch Musikschullehrerin Barbara Varsányi aus ihrer Celloklasse talentierte Schülerinnen und Schüler vorbereitet. Dieses Mal waren es fünf zwischen elf und 16 Jahre alt. Mancher Musiklehrer ist froh, wenn er einen oder zwei unter seinen Schülern hat, die er zur „Jugend musiziert“ schicken kann, doch Barbara Varsányi hat offensichtlich eine besonders geschickte Hand im Umgang mit jungen Talenten.

Vor 27 Jahren kam die in Polen geborene Musikerin ins Rheinland und gehört seitdem zum Kollegium der Bonner Musikschule. Ihr Instrument hat sie von der Pike auf gelernt. Zunächst in ihrer Heimat, dann am renommierten Konservatorium Rimski-Korsakow in St. Petersburg. Sie wurde in der Klasse des in Fachkreisen namhaften Emmanuel Fischmann aufgenommen und studierte fortan als Kommilitonin des vor drei Jahren verstorbenen Boris Pergamenschikow.

Mit sicherem Fingerspitzengefühl, großen Engagement und ihrem herzlichen Temperament unterrichtet sie bereits die Kleinsten. Ihr jüngster Schüler war der seinerzeit vierjährige Danjulo Ishizaka, der 1979 geboren wurde und dessen Talent sie rasch erkannte und mächtig förderte. Jahre später gewann er als ihr erster Schüler den Bundespreis bei „Jugend musiziert" und wurde bereits mit 14 Jahren Jungstudent. Nach seinem Durchbruch 2001 beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD zählt Ishizaka weltweit zur Spitze.

Was sich nach Kaderschmiede anhört, beruht in Wirklichkeit auf der bemerkenswerten Persönlichkeit von Barbara Varsányi. Mit Herz und Verstand, nämlich einem klaren pädagogischen Konzept, nähert sie sich den anvertrauten Schülern, fördert und fordert nicht zuletzt von sich selbst viel. Auf die Uhr schaut sie dabei ungern und investiert sehr viel Zeit, insbesondere vor Konzerten und Wettbewerben, Wochenenden inbegriffen. Da bleibt wenig Raum für anderes. Ausgleich findet sie im eigenen Üben und Musizieren, auch in kammermusikalischer Besetzung.

Natürlich, räumt die Pädagogin ein, ist nicht jedes Kind gleich, aber es gilt, sie zum Spielen zu motivieren. „Wenn Kinder entdecken, was ihnen das Instrument an Freude zurückgibt, ist ein wichtiges Ziel erreicht", ist ihre feste Überzeugung. Ohne Disziplin zum fleißigen Üben funktioniert natürlich nichts. Eine wöchentliche Unterrichtsstunde kann kaum ausreichen, um sinnvoll musikalisch zu arbeiten. Natürlich, so die erfahrene Pädagogin, nützt es gar nichts, wenn ein Kind überhaupt nicht Cello spielen möchte, sondern eher die Eltern das wollen. Von Zwang und Überforderung hält die mit ihrem Mann in Königswinter lebende Musikerin aber gar nichts, sie setzt eher auf kreative Inspiration und Geduld, bis der Funke überspringt.

Diese Einstellung hat ihr in diesem Jahr einen besonderen Erfolg beschert, der in der Geschichte von „Jugend musiziert" vielleicht nicht nur in Nordrhein-Westfalen einzig ist. Denn in der Tat haben alle fünf ihrer Schüler, die sie in Zusammenarbeit mit dem Klavierlehrer Oleg Krimer vorbereitete, sowohl beim Regionalwettbewerb, als auch auf Landesebene in Essen erste Preise erzielt und sich dadurch für die Teilnahme beim Bundeswettbewerb qualifiziert. Interessanterweise stufte die Fachjury in Essen Barbara Varsányis Schülerinnen und Schüler mit höherer Punktzahl ein, als die Preisrichter in Bonn.

Die Jury in Essen, in der auch die Professoren für Cello, Gerhard Mantel und Alexander Hülshoff, saßen, verlieh dem 11-jährigen Lukas Wittrock als einzigem in seiner Altersklasse die Höchstpunktzahl 25. Emily Wittbrodt (12) und Maria Franz (13) erhielten jeweils 23 Punkte, Katharina Pannes (16) wurde mit 24 Punkten eingestuft. An den gleichaltrigen Philip Graham gab die Jury als einzigem in seiner Altersgruppe die Höchstpunktzahl 25. Graham hat bereits im vergangenen Jahr als Bester abgeschnitten und den Bundeswettbewerb gewonnen.

An Pfingsten geht es in Nürnberg, Erlangen und Fürth weiter in die nächste Runde. Wer weiß, vielleicht kommt auch in diesem Jahr Deutschlands bester Cellist seiner Altersgruppe wieder aus Bonn.