BEDBURG / ELSDORF. Die großen Illusionen auf Deutschlands Rummelplätzen sind rar geworden. Und so wird vielleicht der Zauber längst vergangener Schaustellertage Dominik Schmitz helfen, wenn er jetzt wieder mit seinem fahrbaren Kuriositätenkabinett auf Tour geht.
Dabei schien das Ende der Mr. Miller Show schon besiegelt, als ihr Gründer 1996 verstarb. Und die einst prächtig hergerichtete Bude wäre wohl restlos vergammelt, hätte sich Schmitz nicht vor zwei Jahren an eine aufwendige Renovierung begeben.
Benno Miller, der in Hamburg geboren wurde und zuletzt in Elsdorf lebte, zählte zur Blütezeit seines in den 80er Jahren gegründeten Geschäfts zu den bekanntesten Größen auf den namhaften Jahrmärkten des Landes.
Ob es nun um das Rekommandieren - also das Hereinlocken von Kundschaft in den Bühnenbereich - oder um die Moderation schier unglaublicher Erscheinungen ging - Miller beherrschte sein künstlerisches Handwerk meisterhaft. So wurde sein Varieté von der Bild am Sonntag schließlich zu Deutschlands schönster Schaubude gekürt.
Gab es in den 60er und 70er Jahren noch dutzende solcher Shows auf Rummelplätzen, so haben bis heute nur drei den harten Alltag mit Hürden wie zügigen Aufbauarbeiten, TÜV-Abnahmen und hohe Standgebühren überlebt. Aber in England sind solche ,Sideshows wieder im Kommen, berichtet Schmitz, dem die Hoffnung, diesen Trend nach Deutschland tragen zu können, zusätzliche Motivation verschafft.
Was da auf ihn zukommt, ist dem Geschichtsstudenten wohlbekannt. Wann immer es seine Semesterplanung zuließ, stellte er kleinere Attraktionen auf Firmenfeiern und Geburtstagen zur Schau - ein Nebenjob der etwas anderen Art.
Ganz klassisch und praktisch in der Grundausstattung eines jeden Illusionisten inbegriffen sind Sensationen wie Ilonka, die Frau ohne Kopf, Madame Volta, die Frau am Stromnetz und Jula, das Gorilla-Mädchen. Gemeinsam vorgeführt ergeben solche Programmpunkte eine 15-minütige Show, die die Besucher des neuen Veranstaltungszeltes garantiert in Erstaunen versetzen wird.
Der Bühnenbereich der Show ist dabei an den Hänger eines Sattelschleppers gespannt, dessen klassisch geschmückte Front auch auf jüngere Jahrmarktsbesucher einladend wirken dürfte. Kein geringer als Reeperbahn-Maler Erwin Ross war Miller seinerzeit beim Anstrich behilflich. Und es verlangte große Sorgfalt bei der Restauration, um möglichst viele Details in den Originalzustand zurückzuversetzen.
Der nostalgische Effekt war mir wichtig, betont der Kirchhertener Dominik Schmitz. Und ein Gast solle sich bei ihm wie in einem echten Varieté fühlen.
Aber allein das Auffinden des Hängers war ein Kapitel für sich. Erst mit Hilfe einiger niederländischer Freunde von Miller bekam Schmitz heraus, dass ihn ein Sammler seinem Park von Raritäten hinzugefügt hatte. Doch als der Budenfreund dann von den ehrenwerten Plänen des Nachwuchsschaustellers erfuhr, war er bereit, die Überreste der Mr. Miller Show wieder abzugeben.
Nun, da die jahrelange Wiederherstellung so gut wie abgeschlossen ist, hat Schmitz bei Kirmesveranstaltern einige Bewerbungen in Umlauf gebracht. Gemeinsam mit seiner siebenköpfigen Mannschaft möchte er während der ersten Saison zunächst einmal Erfahrung sammeln.
Was in diesem Geschäft am wichtigsten ist, hat er aber schon längst begriffen: Die Funktionsweise der Illusionen behält man besser für sich. Und überhaupt gilt: Ich habe es lieber, wenn die Leute einfach nur das Mysteriöse zu schätzen wissen.