SÜLZ – Cilena oder Annabelle eignen sich am besten. Gerieben mit Zwiebeln, Mehl, Salz und einer geheimen Zutat vermischt, die Lothar Maus nicht verraten will. Mindestens eine Dreiviertelstunde muss der Kartoffelteig ziehen, dann wird er Kelle für Kelle im heißen Rapsöl gebraten.
Es ist nicht der Duft der großen weiten Welt, der durch die Rhöndorfer Straße weht. Hier, an den weißen Stehtischen vor „Zimmermann´s“ Rievkochebud, trifft sich das Veedel. Immer donnerstags und freitags, dann rühren Inhaber Lothar Maus und sein Sohn Danny ab 8.30 Uhr den Teig an.
Handwerker, Hausfrauen, Studenten, Rentner - „Zimmermann´s“ Rievkoche sind bei Jung und Alt wie Dick und Dünn gleichermaßen beliebt. Grund ist nicht nur der Geschmack der goldenen Knusperplätzchen: An der Bude gibt es den neuesten Sölzer Klaaf gleich gratis dazu - von und mit Hans Süper. „Zimmermän, du Ei!“: Diesem Namen bleibt der Mandolinen-Virtuose vom legendären „Colonia Duett“ nach wie vor verbunden. Viele Kunden kommen zu „Zimmermann´s“ nur wegen des prominenten Stammgasts. Und der kennt sie alle, oder tut zumindest so.
„Grüß dich, mein Schätzelein! Wie isset dir?“ Die Frau auf dem Fahrrad fährt winkend weiter. Eine andere, die gerade losfahren will, bekommt „Fahr´ vorsichtig, mein Liebling!“ mit auf den Weg geträllert. So kennen sie ihn hier, den langhaarigen Mann mit der Südafrika-Baseballmütze, Sonnenbrille und den gemütlichen Schluffen an den Füßen.
Den ersten Rievkoche an diesem Tag verputzt Süper an der Seite von Addi Deutscher. Der Rentner hatte „früher mal eine Holzfirma, mit Paletten und so“, erzählt Süper. „Und jedes Mal wenn ich ihn gefragt habe, wie es ihm gehe, kam die Antwort: ,Alles paletti!“ Als Zugabe gibt´s einen Spruch in Richtung Chefkoch: „Das ist der Lothar. Ich bekomme seine Rievkoche, und dafür fass´ ich seine Frau nicht an!“
Das Leben ist zu kurz und die Rievkoche zu lecker, um Trübsal zu blasen. Und so äußert sich Hans Süper alles andere als unglücklich darüber, dass er keine Auftritte mehr absolviert. Er habe es auch nicht mehr nötig. „Mir geht es blendend. Ich hab mir gestern noch Hartz IV auszahlen lassen.“ Wieder Gelächter. „Nein, jetzt mal im Ernst. Ich hab mein ganzes Geld in der Unterhose. Dat es ene String-Tanga!“ Plötzlich ein ernster Satz: „Man muss wissen, wann man aufhören muss.“ Dann spricht Süper von Günter Eilemann, dem Namensgeber und letzten noch Lebenden des bekannten Trios. „Der ist verwandt mit dem Johannes Heesters!“ Die Herbstsonne scheint, die Rentnerrunde lacht.
Ein wenig wirkt es so, als habe Süper doch noch seine Auftritte: zweimal wöchentlich auf der Rhöndorfer. Die Leute lieben ihn, denn der Hans ist einer von ihnen. Kein Promi, wie er im Buche steht. Lothar Maus sagt, Süper sei die beste Werbung für sein kleines Unternehmen. Auf einem Sülzer Straßenfest hätten sie sich vor einem Jahr kennen gelernt. „Seitdem ist er immer da.“
Sülz sei ein besonderer Ort, sagt Maus, der mit seiner mobilen Bude auch im Erftkreis Station macht. Der 57-Jährige erzählt von einem Mann, der im Krankenhaus lag und „Zimmermann´s“ Rievkoche haben wollte. Seine Frau habe 250 Euro mit dem Taxi verfahren, bis sie den Stand in Sülz gefunden hatte. Der Mann ist wieder gesund geworden; seitdem ist die Dame Stammgast. „Die kommt nach wie vor mit dem Taxi.“
Lothar Maus verabschiedet sich kurz, weil er nebenan im Rewe einkaufen muss. Ihm entgegen kommt ein Mann mit Handy, das er am Ohr festgeklemmt hat. Süper entgeht nichts: „Häs do ne Herzschrittmacher?“ Rolf Gottsacker lächelt und gibt Danny Maus eine Tüte mit Mettwürstchen. Dafür bekommt Rolf Rievkoche satt. In Sülz wird noch in Naturalien „bezahlt“.
Als die Runde mal wieder darüber rätselt, was für eine Geheimzutat dem Kartoffelteig beigemischt wird, die angeblich „so simpel ist, dass keiner draufkommt“, eilt Lothar Maus mit Flüssigseife aus dem Supermarkt. Süper kombiniert blitzschnell: „Ich weiß, was es ist: Spüli!“
