Köln – Schreckliches Verbrechen an einem Kind: In Sürth hat ein 37-jähriger Unternehmensberater seine Tochter Mia (2) getötet. Nach der Bluttat am Sonntagnachmittag flüchtete der Mann und stellte sich gestern bei der Polizei in Koblenz. Dort legte er ein Geständnis ab. Möglicherweise wurde das Mädchen mit einem Kabelbinder erdrosselt. Auch eine Plastiktüte soll der Vater bei der Tat benutzt haben. Der Großvater entdeckte seine Enkelin in der Penthouse-Wohnung am Schlehenweg.
„Sie war blau angelaufen“
Das Mädchen hatte den Sonntag, wie so häufig in den vergangenen Monaten, bei ihrem Vater verbracht. Seit einem Jahr lebt das nicht verheiratete Paar getrennt; am Wochenende kommt die kleine Mia vorbei. Am Sonntagabend, gegen 19 Uhr, wollte die Mutter wieder ihre Tochter abholen. Doch die Frau stand vor verschlossenen Türen. „Es wurde oft geklingelt und gegen die Tür geklopft“, sagte ein Anwohner. Auch laute Rufe nützten nichts. Weil die Frau offenbar keinen Schlüssel von der Wohnung hatte oder nicht dabei hatte, rief sie ihren Vater an. Der 66-Jährige eilte herbei und öffnete die Wohnung. In den Räumen machte der Mann die grausame Entdeckung.
Er fand seine Enkelin tot auf dem Boden liegend. „Sie war blau angelaufen“, steht in einem polizeiinternen Vermerk. Die sofort alarmierte Notärztin konnte nur noch den Tod des Kindes feststellen. Es wird untersucht, ob das Mädchen mit einem Kabelbinder erdrosselt wurde. Eine Obduktion in der Gerichtsmedizin soll die genaue Todesursache klären, sagte ein Polizeisprecher. Polizisten fanden am Sonntag Abend in der Wohnung größere Mengen Kabelbinder und eine Plastiktüte in der Nähe des Kindes. „Es wird geprüft, ob das Verbrechen mit diesen Gegenständen ausgeführt wurde“, sagte ein Beamter der Kölnischen Rundschau.
Hintergrund des Dramas dürfte ein erbitterter Sorgerechtsstreit gewesen sein. Wie die Rundschau erfuhr, gibt es vor dem Familiengericht eine juristische Auseinandersetzung über das Sorgerecht. In einer ersten Verhandlung hat das Gericht entschieden, dass die Mutter sich um das Mädchen kümmern soll und der Vater nur am Wochenende das Kind sehen darf. Der 37-Jährige hatte sich gegen die Entscheidung juristisch gewehrt - am Mittwoch war deswegen ein neuer Termin vor dem Familiengericht anberaumt. Außerdem hatte die Mutter angekündigt, nach Berlin zu ziehen. Der Umzug sollte kurzfristig passieren. „Die Kartons waren schon gepackt“, war aus informierten Kreisen zu erfahren. Die Frau hat noch ein weiteres Kind, allerdings nicht von dem 37-Jährigen.
In der gut situierten Wohngegend in Sürth ist das Entsetzen über die Bluttat groß. „Ich habe am Sonntag noch ein Weinen gehört. Es kam aus dem Haus. Jetzt weiß ich auch warum“, sagte ein Nachbarin und schlägt die Hände vor das Gesicht. Ein direkter Nachbar beschreibt den 37-Jährigen als „sehr freundlichen und ruhigen Mann“. Von der Tat bekam der Nachbar nichts mit. „Erst als Polizei und Notarzt kamen, wusste ich, dass etwas passiert war“, ergänzte der Mann. Eine Anwohnerin erzählt, dass die Polizei am Sonntagabend mit Fotos des Tatverdächtigen an den Haustüren klingelte und fragte, „ob wir den Mann heute gesehen haben“.
Gestern fuhren Ermittler der Kölner Kripo nach Koblenz und nahmen den Verdächtigen nach Köln mit. Heute oder morgen soll der 37-Jährige vor den Haftrichter geführt werden - ob es sich bei der Tat um Mord oder Totschlag handelt, ist noch nicht abschließend geklärt.