EIFEL / ARDENNEN. Wann immer von der Ardennenoffensive die Rede ist, fällt ein Ortsname: Bastogne. Insbesondere für die Amerikaner gilt die kleine belgische Stadt als Inbegriff einer der verheerendsten Schlachten des Feldzugs 1944 / 45. Die Militärhistoriker sind sich einig: In der Region Eifel / Ardennen wollte Hitler zu einem letzten großen Schlag ausholen, um den Lauf der Geschichte umzukehren. Dass diese auch Rundstedt-Offensive genannte Ardennenschlacht auf deutschem Gebiet zwischen Höfen, Wahlerscheid, Hollerath und Losheimer Graben ihren Anfang, zum Teil auch ihr Ende nahm, gerät leicht in Vergessenheit.
Zur Vorgeschichte: Seit der Landung der Alliierten in der Normandie Anfang Juni 1944 nahm der Zweite Weltkrieg eine Wende. Innerhalb von zehn Tagen rückten die alliierten Truppen 350 km nach Osten vor. Am 2. September 1944 überschritten sie die belgische Grenze. Und die deutschen Truppen mussten erneut Belgien durchqueren, diesmal jedoch im Rückzug. Ganz im Gegensatz zu 1940, als die Deutsche Wehrmacht Belgien eroberte und dessen Ostkantone mit St. Vith, Malmedy und Eupen annektierte.
Zu Beginn des Winters 1944 / 45 standen die alliierten Streitkräfte schließlich am Westwall. Als sich die deutsche Westfront wieder etwas stabilisierte, sah Hitler den Zeitpunkt für eine große deutsche Gegenoffensive gekommen.
Er wählte dafür unter strikter Geheimhaltung die Grenzlinie zu Belgien zwischen Monschau und Echternach aus, etwa 140 km lang. Dazu benutzte die Wehrmacht den südlichen Teil des Kreises Schleiden als Aufmarschgebiet. Dieser war deshalb so geeignet, weil unmittelbar vor seiner Tür die Kampflinie verlief. Diese führte auch an der Westwalllinie an Hollerath und Udenbreth vorbei bis zum Losheimer Graben. Hier, in einem drei Kilometer breiten Loch des Losheimer Grabens, war der wichtigste Ansatzpunkt für die Offensive, dort sollte der tiefe Einbruch nach Belgien erfolgen, beschreibt H.-Dieter Arntz den Beginn.
Aufmarsch im
Schleidener Tal
Dabei machte sich die Deutsche Wehrmacht die schlechte winterliche Wetterlage zunutze. In den frühen Morgenstunden des 16. Dezember 1944, genau um 5.30 Uhr, startete die Wehrmacht die in die Militärgeschichte eingegangene Ardennenoffensive. Nach anfänglichen Erfolgen im Gebiet von Hollerath blieb das Gros der Truppen in diesem Gebiet aber schon in Rocherath-Krinkelt (Gemeinde Büllingen) hängen. Weiter im Südwesten gelang den deutschen Truppen der Durchbruch bis in den Raum Stavelot.
Während der Vorbereitung der Offensive lagen die Nachschubwege im Schleidener Tal unter ständigem Artilleriefeuer der Amerikaner, ausgelöst durch die seit Ende November 1944 durch das Schleidener Tal rollenden deutschen Militärkolonnen mit Panzern, Infanterie und unzähligem Kriegsmaterial. Hitlers Rechnung ging nicht auf. Nicht zuletzt aufgrund ihrer Luftüberlegenheit begannen die Amerikaner mit der Gegenoffensive am 3. Januar 1945. Diese stieß zunächst auf heftigen deutschen Widerstand. Und erst am 1. Februar 1945 standen die Amerikaner im Raum Hollerath-Losheim wieder vor dem Westwall. Nach der Einnahme Holleraths durch die Amerikaner 1945 dauerte es immerhin mehr als drei Wochen, bis die Höhen um Giescheid und Rescheid in ihre Hand gerieten. Am 5. März 1945 fiel die zweite Bunkerlinie des Westwalls, die Amerikaner nahmen Blumenthal, Reifferscheid, Wildenburg und Wolfert ein. Am 7. März 1945 eroberten die Amerikaner Blankenheim und dass Ahrgebiet, nachdem sie zuvor schon das östliche Gebiet des Kreises Schleiden besetzt hatten, berichtet Walter Hanf in seinem Buch Hollerath.
Durch den mehrmaligen Vorstoß und den Rückzug sowohl der Deutschen Wehrmacht als auch der amerikanischen Armee wurden die Dörfer an der deutsch-belgischen Grenze in Schutt und Asche gelegt; die Zivilbevölkerung erlitt große Verluste. Die Verluste der Wehrmacht und der US-Armee werden von Militärhistorikern mit je 70 000 Toten, Verschollenen und Verwundeten angegeben.