Mila Schauerova spielte von 1983-87 bei der SSG 09 Bergisch Gladbach und hatte Anteil an zwei Deutschen Meisterschaften, einem DFB-Pokalsieg und einem Weltpokalsieg. Mit ihr sprach Sebastian Schmidt.
Frage: Sie sind in der ehemaligen CSSR aufgewachsen. Wie sind Sie damals zum Fußball gekommen?
Schauerova: Ich bin in einem Vorort von Prag groß geworden und habe von klein auf mit den Jungs Fußball gespielt. Allerdings nicht in einem Verein. Es gab zwar in Prag Frauenfußballmannschaften, aber die waren so weit von mir zu Hause entfernt, dass ich nicht bei ihnen spielen konnte. Also haben ich mit den Jungen aus der Nachbarschaft gespielt. Sie hatten mich immer gern im Team, weil ich besser war als sie. Aber meine Zwillingsschwester und ich waren die einzigen Mädchen, die mitgespielt haben.
Frage: Und wie kamen Sie dann zum Vereinsfußball?
Schauerova: Ich habe in meiner Jugend Leichtathletik gemacht, worin ich auch sehr erfolgreich war. Im Speerwerfen hab ich es sogar mal zur tschechischen Jugendmeisterin gebracht. Als ich 17 war, musste ich einmal wegen der Leichtathletik nach Prag zum Krafttraining und neben dem Kraftraum war das Trainingsgelände von Sparta Prag, auf dem die Frauenmannschaft trainierte. Als ich das sah, wollte ich nur noch im Verein Fußball spielen.
Frage: Wann sind sie dann nach Bergisch Gladbach gewechselt?
Schauerova: Ich habe zehn Jahre in Prag gespielt und mit Sparta fünf Tschechische Meistertitel gewonnen. Dann habe ich meinen Mann kennengelernt und bin mit ihm nach Deutschland gekommen. Zu meinem Glück kam er aus Herkenrath und so konnte ich bei der SSG spielen. Wer weiß, ob ich sonst überhaupt weiter Fußball hätte spielen können. Ich wollte dann unbedingt in die Mannschaft, was am Anfang gar nicht so einfach war, denn ich musste mich erst einmal an die neuen Schuhe gewöhnen. Die SSG war damals schon komplett von Adidas ausgestattet und ich kannte diese modernen Schuhe nicht, sondern nur meine Schuhe aus Prag, die zwar fast auseinander fielen, aber ich war es nunmal nicht anders gewohnt.
Frage: Dann haben sie aber den Anschluß geschafft und konnten sofort Erfolge mit der SSG feiern.
Schauerova: Das stimmt, gleich im ersten Jahr wurden wir im Finale gegen Tennis Borussia Berlin Deutscher Meister. Wir gewannen vor über 3000 Zuschauern in Bergisch Gladbach mit 6:0 und ich konnte sogar zwei Tore erzielen.
Frage: Ihre größten Erfolge feierten sie allerdings 1984 mit dem Triple von Meisterschaft, DFB- und Weltpokal. Was war Ihnen am wichtigsten?
Schauerova: Beim DFB-Pokalfinale im Frankfurter Waldstadion waren über 50 000 Zuschauer, das war einfach unglaublich! Bei jedem Pass, den man spielte, klatschen die Zuschauer Beifall und es lief einem ein kalter Schauer über den Rücken. Das war ein Riesen-Erlebnis! Aber auch die Reise zum Weltpokaltunier nach Taiwan war faszinierend. Eigentlich wollte der DFB die Deutsche Nationalmannschaft dorthin schicken, aber wir haben als Deutscher Meister darauf bestanden, als Verein am Tunier teilzunehmen, was möglich war. Allerdings waren wir die einzige Vereinsmannschaft, alle anderen waren Nationalmannschaften. Zu Beginn des Tuniers lief es sehr gut für mich, ich habe in den ersten Spielen zwei Tore erzielt, doch dann kam die erste Finalrundenbegegnung gegen Taiwan. Wir verloren mit 0:2 aufgrund einer grausamen Leistung des Schiedsrichters, was mich damals so geärgert hat, dass ich nach Spielende zu ihm gegangen bin und ihm den Ball aus der Hand geschlagen habe. Dafür gab er mir nachträglich die Rote Karte und ich war für den Rest des Turniers gesperrt. Aber zum Glück haben wir auch ohne mich gewonnen und so konnten wir mit dem Weltpokal in der Tasche zurück nach Deutschland fliegen, wo am Flughafen eine kleine Gruppe Gladbacher Fans auf uns wartete und jedem eine Rose überreichte.