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Volksglaube in SüdwestenglandAuf der Suche nach der Fee

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Ein kleiner Junge blickt hinter eine der mittlerweile 100 Feen-Türen.

London – Dichtes Gehölz, Rhododendronbüsche und ein plätschernder Bach umgeben Besucher bei einem Spaziergang durch Wayford Woods in Südwestengland. Wer das Waldstück in der Grafschaft Somerset betritt, findet sich in einer anderen Welt wieder. An Dutzenden Baumstämmen kann man direkt über dem Boden kleine Türen entdecken, hinter denen nach englischem Volksglauben Feen leben – „übernatürliche und menschenartige Lebewesen“, wie sie die „Fairy Investigation Society“ beschreibt, die seit 1927 „Beweise“ für die Existenz von Feen sammelt.

Stuart Le Fevre, einer von drei Verwaltern des Waldstückchens, beobachtet seit langem die steigende Zahl der Feentüren. „Mittlerweile sollten es um die 100 sein“, erzählt der 85-Jährige. Eine genaue Zahl kann er nicht nennen, denn manche Türen sind gut versteckt.

Wald soll geschützt bleiben

Vor etwa zehn Jahren tauchte die erste Tür auf. In den vergangenen drei Jahren wurden es immer mehr. Meist bauen wohl Eltern die Türen für ihre Kinder. Le Fevre hat das aber nie mit eigenen Augen gesehen. Junge Besucher legen oft Briefe an die Fee mit ihren Wünschen hinter die Türen. „In den vergangenen 100 Jahren haben Menschen, die an Feen glauben, sie als Geist der Pflanzen und Bäume gesehen“, erklärt Simon Young, Volkskundler der „Fairy Investigation Society“. Erste Hinweise auf Feen in Großbritannien und Irland finden sich schon in sehr frühen Aufzeichnungen. Aber die Feen-Türen in dem Wayford Woods seien eine neue Tradition, sagt Young. „Wer die Türen einbaut, glaubt vermutlich nicht an Feen“, sagt Young. „Aber es ist ihr Weg, sich und die Kinder mit der Natur zu verbinden.“ Allerdings gibt es Feentüren auch in der Stadt und in vielen Ländern. Etwa in Ann Arbor im US-Staat Michigan, wo Kinderbuchautor Jonathan B. Wright die Türchen eingeführt hat und sorgfältig dokumentiert. Unternehmen wie die „Irish Fairy Door Company“ und „Little Fairy Door“ haben inzwischen ein Geschäft aus den bunten Holztüren gemacht.

Le Fevre freut sich, dass Kinder in Wayford Woods Zeit in der Natur verbringen und auf Feen-Suche gehen. Aber die Türchen sind auch problematisch: Sie würden nicht nur an toten Bäumen oder Stämmen befestigt, sondern auch an lebenden und gesunden, sagt er. Viele Besucher liefen fernab der Pfade und trampelten dabei Pflanzen platt. „Wir sind nicht gegen die Feen und wollen die Kinder nicht enttäuschen oder entmutigen“, erklärt Le Fevre. Aber Wayford Woods solle kein Vergnügungspark werden. Er und seine Kollegen überlegen, einen Bereich für die Feen abzugrenzen, damit der Wald geschützt bleibt. (dpa)