BRÜHL. Die Nachricht von der Eröffnung eines Max-Ernst-Museums im südfranzösischen Seillans, dem letzten Wohnort des Künstlers und seiner Frau Dorothea Tanning, schlug in Brühl hohe Wellen. In Seillans sei man der Museumseröffnung in der Geburtsstadt des Künstlers zuvor gekommen, hieß es in der von einer Nachrichtenagentur verbreiteten Meldung.
Dieter Gerhards, der erste Vorsitzende der Max-Ernst-Gesellschaft, konnte die Irritationen inzwischen beseitigen. Gerhards machte von seinem Feriendomizil aus einen Abstecher in den kleinen Ort und kontaktierte den dortigen Bürgermeister, der ihm die Räumlichkeiten zeigte. „Herr René Ugo war über die Berichte in Deutschland sichtlich erstaunt“, berichtet Gerhards, der sich Anfang August in Seillans aufhielt.
Das vermeintliche „Museum“ ist im „Maison Waldberg“ untergebracht, das sich im Besitz des amerikanischen Kunsthistorikers und -kritikers Patrick Waldberg (1913-1985) befand. Waldberg hat mehrere Publikationen über den Surrealismus veröffentlicht und eine Max-Ernst-Monographie geschrieben.
Das Wohnhaus, ein schmales mehrstöckiges Gebäude aus dem 17. Jahrhundert Mitten im Ort, ist gerade für 1,5 Millionen Euro restauriert worden und wurde am 10. Juni wieder eröffnet. Auf zwei Ebenen ist das örtliche Tourismusbüro untergebracht; in den darüber liegenden Etagen sind 71 Grafiken von Max Ernst ausgestellt, viele davon sind unsigniert.
Auch Werke von Dorothea Tanning werden gezeigt, die diese ihrem einstigen Wohnort zum Geschenk gemacht hat; ebenso einige Gegenstände aus dem persönlichen Besitz des Künstlerpaares, die vorher bereits in anderen Räumen zu sehen waren. Außerdem gibt es eine ständige Ausstellung des französischen Künstlers Stan Appenzeller.
Max Ernst und seine Ehefrau bezogen 1970 ein von Tanning entworfenes Haus in Seillans, in dem beide lebten und in zwei getrennten Ateliers arbeiteten. Auch die Regionalzeitung „Var matin“ berichtete nicht etwa von einer Museumseröffnung, sondern nur von einer Ausstellung der Grafiken. „Für ein Bergdorf mag das eine Attraktion sein, von einem Museum aber kann keine Rede sein“, so Gerhards.